Achillessehnen-Tendinopathie: Was bei Achillodynie wirklich hilft
Warum der Schmerz an der Achillessehne keine reine Entzündung ist, warum Belastung dem Gewebe mehr hilft als Schonung und wie du mit exzentrischem Training, Heavy Slow Resistance und klugem Lastmanagement schmerzfrei zurück zum Laufen kommst.
Das Wichtigste in Kürze
Die Achillodynie ist keine klassische Entzündung, sondern ein gestörter Umbau der Sehne. Deshalb hilft dosierte Belastung mehr als Schonung, und Entzündungshemmer lösen das Problem nicht.
Sie ist häufig: In einer Kohorte von 3379 Freizeitläufern erkrankten 4,2 % binnen rund 20 Wochen, Männer öfter als Frauen, und knapp zwei Drittel betrafen die Mittelportion der Sehne (Chen et al. 2023).
Krafttraining ist Erstlinie. Exzentrisches Training und Heavy Slow Resistance bessern Schmerz und Funktion gleich gut, HSR aber mit höherer Therapietreue (Beyer et al. 2015).
Die Evidenz ist robust: Eine Meta-Analyse aus acht randomisierten Studien bestätigt den schmerzlindernden Effekt des exzentrischen Trainings, mittlere Differenz −1,21 (Prudêncio et al. 2023).
Die Reha läuft in vier Phasen: beruhigen, kräftigen, federn, zurück in den Sport. Wer die Sprungphase überspringt, ist auf die Federarbeit beim Laufen nicht vorbereitet.
Bei Schmerz am Ansatz gilt das Gegenteil von Dehnen. Weniger Kompression, also begrenzte Dorsalextension plus Fersenkeile, brachte über zwölf Wochen 12,9 VISA-A-Punkte mehr als das gleiche Programm in tiefer Dehnung (Pringels et al. 2025).
Spritzen und Stoßwelle halten nicht, was sie versprechen. Weder PRP (6 RCTs, 422 Patienten) noch Stoßwelle (9 RCTs, 557 Patienten) schlagen die Scheinbehandlung.
Geduld ist Teil der Therapie. Die Sehne passt sich über Monate an, nicht über Wochen. Ein Drittel der betroffenen Läufer hat nach einem Jahr noch Beschwerden (Lagas et al. 2020), meist die, die zu früh zu viel wollten.
Was die Achillessehnen-Tendinopathie ist und warum sie schmerzt
Gegen eine Achillessehnen-Tendinopathie hilft am besten progressives Krafttraining der Waden-Sehnen-Einheit statt Schonung. Exzentrisches Training und Heavy Slow Resistance bessern Schmerz und Funktion gleich gut, HSR oft mit besserer Therapietreue. Belastung bis etwa fünf von zehn Schmerz ist erlaubt, solange die Sehne am nächsten Morgen nicht steifer ist. Die Anpassung dauert Monate, nicht Wochen.
Die Achillessehne ist die kräftigste Sehne deines Körpers und überträgt bei jedem Abdruck ein Vielfaches deines Körpergewichts vom Wadenmuskel auf die Ferse. Genau das macht sie für Läufer, Triathletinnen und alle, die viel auf den Füßen sind, so leistungsfähig und so anfällig. Bei einer Achillessehnen-Tendinopathie, umgangssprachlich Achillodynie, schmerzt sie unter Belastung und ist morgens steif.
Keine Entzündung, sondern ein Umbauproblem
Lange hieß das Problem Achillessehnen-Entzündung, daher Begriffe wie Tendinitis. Heute zeigen Gewebeproben ein anderes Bild: Statt klassischer Entzündungszellen findet man ungeordnete Kollagenfasern, vermehrte Grundsubstanz und das Einsprossen neuer Gefäße und Nerven in die kranke Sehne, die Neovaskularisation. Fachlich spricht man deshalb von Tendinopathie oder Tendinose, nicht von Tendinitis. Für dich heißt das vor allem eines: Das Gewebe braucht keinen Entzündungshemmer und keine Schonung, sondern einen Reiz, der es zur Anpassung zwingt. Belastung ist Medizin, nicht das Problem.
Das Continuum-Modell von Cook und Purdam (2009) beschreibt drei Stadien, durch die eine Sehne wandert: die reaktive Tendinopathie nach einer plötzlichen Überlastung, die Phase der gestörten Heilung und schließlich die degenerative Tendinopathie mit dauerhaft umgebautem Gewebe. Frühe Stadien sind gut umkehrbar, späte nur teilweise. Die zentrale Botschaft: Last steuert, in welche Richtung die Sehne wandert. Zu viel zu schnell treibt sie ins Stadium hinein, dosierte und progressive Belastung holt sie wieder heraus. Dasselbe Prinzip trägt auch den gezielten Aufbau robuster Sehnen, das wir im Sehnentraining für Läufer genauer beschreiben.
Man unterscheidet zwei Orte. Die Mittelportions-Tendinopathie sitzt etwa zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Fersenbeins im freien Sehnenverlauf und ist die häufigste Form. Die Insertionstendinopathie sitzt direkt am Ansatz an der Ferse und verhält sich beim Training anders. Häufig ist beides: Eine systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 16 Studien mit fast 15.000 Personen schätzte die Prävalenz bei Sporttreibenden auf rund sechs Prozent, bei Läuferinnen und Läufern auf etwa vier Prozent (Wang et al. 2022). In einer prospektiven Kohorte aus 3379 Freizeitläufern entwickelten 4,2 Prozent über rund 20 Wochen eine Achillessehnen-Tendinopathie, davon knapp 64 Prozent in der Mittelportion und gut 28 Prozent am Ansatz (Chen et al. 2023). Männer traf es häufiger als Frauen, und der mit Abstand stärkste Risikofaktor war eine frühere Achillessehnen-Tendinopathie.
Wie du sie erkennst: Anlaufschmerz und der Druckpunkt
Das Leitsymptom ist der Anlaufschmerz. Die ersten Schritte am Morgen oder nach langem Sitzen tun weh und die Sehne fühlt sich steif an, dann wird es nach ein paar Minuten besser. Beim Laufen ist der Schmerz oft zu Beginn da, lässt nach dem Einlaufen nach und kommt nach der Einheit oder am nächsten Morgen verstärkt zurück. Genau dieses Muster verleitet viele dazu, weiterzulaufen, denn während der Belastung fühlt es sich erträglich an, während die Last die Sehne weiter reizt.
Der Druckschmerz lässt sich gut lokalisieren. Drückst du die Sehne zwei bis sechs Zentimeter über der Ferse zwischen Daumen und Zeigefinger, tut es bei der Mittelportions-Tendinopathie genau dort weh. Oft ist die Stelle leicht verdickt und du spürst beim Bewegen ein feines Knirschen. Ein einfaches Unterscheidungszeichen ist der Schmerzbogen: Bei der Mittelportionsform wandert die druckschmerzhafte Stelle mit, wenn du den Fuß auf und ab bewegst. Sitzt der Schmerz dagegen direkt am Knochen an der Ferse, spricht das für die Insertionsform.
Wichtig ist die Abgrenzung nach unten. Ein plötzlicher, peitschenartiger Schmerz mit dem Gefühl, getreten worden zu sein, gefolgt von Kraftverlust beim Abdruck, kann ein Riss der Achillessehne sein und gehört sofort ärztlich abgeklärt. Ein brennender, in die Ferse oder Fußsohle ausstrahlender Schmerz spricht eher für eine Nervenreizung. Bleibt aber der typische morgendliche Anlaufschmerz mit klar tastbarem Druckpunkt über Wochen bestehen, ist die Achillessehnen-Tendinopathie die mit Abstand wahrscheinlichste Erklärung, und du kannst gezielt gegensteuern. Sie reiht sich damit in die häufigsten Überlastungsschäden der unteren Extremität ein, neben Beschwerden wie Shin Splints oder der Plantarfasziitis.
Zwei Selbsttests, mit denen du deinen Fortschritt misst
Eine Achillessehne braucht Monate. Ohne Messwerte merkst du in dieser Zeit kaum, ob du auf dem richtigen Weg bist, und genau daran scheitern viele Programme. Der Schmerz schwankt von Tag zu Tag, mal wegen der Schuhe, mal wegen einer langen Autofahrt. Wer nur aufs Gefühl hört, wirft nach sechs Wochen entnervt hin oder steigert viel zu früh. Zwei einfache Messungen geben dir eine Ausgangslage, an der du dich festhalten kannst.
Der VISA-A-Fragebogen als Verlaufskurve
Der VISA-A-Score ist der etablierte Fragebogen für Achillessehnen-Beschwerden. Acht Fragen zu Morgensteifigkeit, Schmerz beim Gehen, Wadenheben und sportlicher Belastung ergeben einen Wert zwischen 0 und 100, wobei 100 für beschwerdefrei steht. Jede Studie in diesem Artikel misst ihren Erfolg daran. Fülle ihn zu Beginn aus und dann alle vier Wochen. Als klinisch bedeutsam gilt eine Verbesserung von etwa zehn Punkten, und genau in dieser Größenordnung bewegen sich gute Programme: In der aktuellen Studie zu insertionsnahen Beschwerden legte die erfolgreiche Gruppe über zwölf Wochen 24,4 Punkte zu (Pringels et al. 2025).
Der einbeinige Zehenstand bis zur Erschöpfung
Der Heel-Rise-Test zeigt, was deine Wade tatsächlich leistet. Stell dich auf ein Bein, eine Hand locker an der Wand zur Balance, und geh so hoch auf den Ballen, wie du kommst. Etwa eine Wiederholung alle zwei Sekunden, so lange, bis du die volle Höhe nicht mehr erreichst. Zähle beide Seiten und schreib beide Zahlen auf.
Zur Einordnung: In einer Untersuchung mit 566 gesunden Erwachsenen zwischen 20 und 81 Jahren schafften Männer im Median 24 und Frauen 21 Wiederholungen, gemessen auf einem um zehn Grad geneigten Brett (Hébert-Losier et al. 2017). Auf flachem Boden fallen die Zahlen höher aus. Die absolute Zahl ist ohnehin nicht das Entscheidende, sondern der Seitenvergleich. Schafft die betroffene Seite deutlich weniger Wiederholungen oder kommt sie sichtbar weniger hoch, hast du ein Defizit, an dem du arbeiten kannst. Der Gleichstand mit der gesunden Seite ist später eines der Kriterien, bevor du wieder Tempo läufst.
Drei Zahlen alle vier Wochen in eine Handy-Notiz, mehr braucht es nicht: VISA-A, Wiederholungen links und rechts, dazu die Morgensteifigkeit auf einer Skala von null bis zehn. Diese kleine Tabelle ist im Verlauf mehr wert als jedes Bauchgefühl, weil sie dir die langsame Aufwärtsbewegung zeigt, die du im Alltag nicht spürst.
Was wirklich hilft: Belastung schlägt Schonung
Die wichtigste Botschaft der aktuellen Forschung: Komplette Ruhe ist kein guter Plan. Die Sehne braucht einen progressiven Belastungsreiz, um umzubauen und belastbarer zu werden. Belastungsübungen sind in den aktuellen Behandlungsleitlinien die Erstlinie bei der Mittelportions-Tendinopathie (Chimenti et al. 2024). Über Jahrzehnte galt das exzentrische Training als Standard, also das betonte langsame Absenken der Ferse über eine Stufenkante. Eine Meta-Analyse aus acht randomisierten Studien mit 371 Patienten fand dafür einen deutlichen schmerzlindernden Effekt gegenüber anderen Übungsformen, mit einer mittleren Differenz von −1,21 auf der Schmerzskala (Prudêncio et al. 2023). Die Streuung zwischen den Studien war allerdings hoch, der Effekt also nicht in jeder Untersuchung gleich stark.
Zwei größere Auswertungen ordnen das inzwischen ein. Eine Netzwerk-Meta-Analyse aus 29 randomisierten Studien fand zwischen den aktiven Behandlungen weder nach drei noch nach zwölf Monaten einen bedeutsamen Unterschied, wohl aber gegenüber dem Abwarten: Nichtstun schnitt schlechter ab als jede aktive Behandlung (van der Vlist et al. 2021). Eine Meta-Analyse aus 21 Studien mit 994 Patienten kommt zum selben Schluss und formuliert ihn schärfer: Nicht die Übungsform entscheidet, sondern die mechanische Last (Yuan et al. 2026). Gegenüber passiven Maßnahmen wie Ultraschall, Massage oder Schienen war exzentrisches Training beim Schmerz klar überlegen, gegenüber anderen Kraftprogrammen praktisch gleichauf.
Inzwischen weiß man also: Es muss nicht ausschließlich exzentrisch sein. Eine zweite Meta-Analyse aus zwölf randomisierten Studien mit 543 Teilnehmenden verglich verschiedene Belastungsprotokolle direkt und fand zwischen ihnen keine bedeutsamen Unterschiede bei Schmerz und Funktion (Maetz et al. 2023). Entscheidend ist also, dass die Sehne schwer und progressiv belastet wird, nicht die exakte Übungsform. Den schönsten direkten Vergleich liefert eine randomisierte Studie: 58 Patienten mit chronischer Mittelportions-Tendinopathie trainierten zwölf Wochen lang entweder klassisch exzentrisch oder nach dem Prinzip Heavy Slow Resistance, also schweres Krafttraining mit langsamem Tempo über die volle Bewegung (Beyer et al. 2015). Beide Gruppen verbesserten sich gleich stark im VISA-A-Score und blieben auch nach einem Jahr stabil. Der Unterschied lag im Alltag: Die HSR-Gruppe hielt sich treuer ans Programm und war nach zwölf Wochen zufriedener.
Gleich wirksam, aber leichter durchzuhalten: HSR gegen exzentrisches Training
Exzentrisches Training und Heavy Slow Resistance bessern die Achillessehne gleich gut. Der Unterschied liegt im Alltag: Die HSR-Gruppe hielt sich treuer ans Programm (92 statt 78 %) und war nach zwölf Wochen zufriedener (100 statt 80 %), der Zufriedenheitsunterschied war dabei ein knapper Trend (Beyer et al. 2015, 58 Patienten).
So baust du das Krafttraining auf
Für die Praxis heißt das: Wähle die Variante, die du wirklich durchziehst. Heavy Slow Resistance kostet nur drei Einheiten pro Woche, das klassische exzentrische Alfredson-Programm verlangt zweimal täglich an sieben Tagen. Beide wirken, aber nur, wenn du dranbleibst, und dranbleiben heißt hier Monate. Ein gewisser Sehnenschmerz während der Übung ist ausdrücklich erlaubt, solange er die Schmerzgrenze nicht sprengt und die Sehne am nächsten Morgen nicht steifer ist als am Vortag.
So sieht der Kern der Therapie aus: Wadenheben mit echter Last, drei Sekunden hoch, drei Sekunden runter, über die volle Bewegung. Genau diese Übung im Rack war eine der drei im HSR-Programm von Beyer und Kollegen. Das Gewicht ist der Reiz, ohne das Gewicht bleibt es Mobilisation.
Beispiel-Programm
Heavy Slow Resistance für die Achillessehne
3× pro Woche12 Wochen als Block~3 s hoch · 3 s runter
5 min aufwärmen locker Radfahren oder zügig gehen, dann ein paar lockere Wadenheben ohne Last.
Wadenheben stehend, über die volle Bewegung drei Sekunden hoch, drei Sekunden runter. Bei Mittelportion über die Stufenkante, bei Schmerz am Ansatz nur bis Bodenniveau absenken.
3 bis 4 Sätze mit schwerer Last starte bei einem Gewicht, das du etwa 15-mal sauber schaffst, und steigere über die Wochen Richtung 6 schwere Wiederholungen.
Sitzendes Wadenheben mit gebeugtem Knie ergänzen, um auch den Soleus zu treffen, und zwischen den Einheiten je einen Tag Pause lassen.
Beispielhafte Orientierung aus der zitierten Evidenz, kein individueller Trainingsplan. Schmerz bis etwa fünf von zehn während der Übung ist erlaubt, solange die Sehne am nächsten Morgen nicht steifer ist. Bei plötzlichem, stechendem Schmerz oder Kraftverlust beim Abdruck vorab ärztlich abklären.
Die vier Phasen: von der Isometrie bis zum Absprung
Schweres Wadenheben ist der Kern, aber es ist nicht der ganze Weg. Beim Laufen arbeitet die Achillessehne als Feder. Sie speichert beim Aufsetzen Energie und gibt sie beim Abdruck zurück, und das mit Kräften weit über deinem Körpergewicht. Wer zwölf Wochen lang ausschließlich langsam und schwer trainiert, hat am Ende eine kräftige Wade und eine Sehne, die diesen schnellen Lastwechsel nicht mehr gewohnt ist. Genau dort passieren die Rückfälle: Das Krafttraining lief gut, der erste zügige Lauf kippt alles zurück.
Aktuelle Programme bauen deshalb in vier Stufen auf, vom ruhigen Halten bis zum Sprung. Dieselbe Vierteilung liegt auch der Studie zugrunde, die bei insertionsnahen Beschwerden den bislang deutlichsten Effekt gezeigt hat (Pringels et al. 2025).
Vier Phasen, steigende Last: der Weg zurück zum Laufen
Die Wochenangaben sind Orientierung, keine Termine. Über den Wechsel in die nächste Phase entscheidet immer die Sehne, nicht der Kalender: erst wenn die Kriterien der aktuellen Stufe stehen, kommt die nächste dazu.
Beruhigen: isometrisches Halten
Woche 1 bis 2 · täglich bis zweimal täglich
Geh auf beiden Beinen in den Zehenstand und halte die Position oben. Fünf Sätze zu 30 bis 45 Sekunden, dazwischen ein bis zwei Minuten Pause. Wenn das leicht fällt, verlagere mehr Gewicht auf die betroffene Seite. Du hältst die Wade unter Spannung, ohne die Sehne durch die volle Bewegung zu ziehen, und das ist ein brauchbarer Einstieg, wenn dynamisches Wadenheben aktuell zu weh tut.
Eine Einschränkung gehört dazu: Als Schmerzmittel taugt Isometrie an der Achillessehne nicht zuverlässig. Bei Patienten mit chronischer Mittelportions-Tendinopathie senkte isometrisches Wadenheben den Schmerz direkt danach nicht stärker als isotonische Übungen oder schlichtes Ausruhen (van der Vlist et al. 2020). Der Ruf, sofort zu betäuben, stammt aus Studien zur Patellasehne und lässt sich hier nicht bestätigen. Wenn du dynamisch belasten kannst, halte diese Phase kurz oder überspringe sie.
Weiter, wenn du langsames Wadenheben über die volle Bewegung unter etwa fünf von zehn Schmerz schaffst.
Kräftigen: schwer und langsam
Woche 2 bis 12 · dreimal pro Woche
Das ist der Motor. Drei Übungen, wie im Original-Programm: stehendes Wadenheben mit der Langhantel im Rack, sitzendes Wadenheben mit gebeugtem Knie und Wadendrücken an der Beinpresse. Immer drei Sekunden hoch, drei Sekunden runter, über die volle Bewegung. Wer keinen Gerätepark hat, nimmt einen schweren Rucksack und eine Treppenstufe, das funktioniert genauso.
Die Steigerung ist der eigentliche Trick: Du startest mit drei Sätzen zu 15 Wiederholungen bis zur Erschöpfung und arbeitest dich über die Wochen zu vier Sätzen zu sechs schweren Wiederholungen vor (Beyer et al. 2015). Wenn das Gewicht am Ende nicht deutlich höher ist als in Woche zwei, hast du nicht gesteigert, sondern nur wiederholt. Das sitzende Wadenheben gehört unbedingt dazu, weil das gebeugte Knie den Zwillingswadenmuskel entlastet und die Last auf den Schollenmuskel schiebt, der beim Laufen den Großteil der Arbeit macht.
Weiter, wenn du vier Sätze zu sechs Wiederholungen mit deutlicher Zusatzlast sauber schaffst und die Morgensteifigkeit über zwei Wochen nicht mehr zunimmt.
Federn: Energie speichern und zurückgeben
ab Woche 8 bis 12 · jeden zweiten Tag
Jetzt kommt die Phase, die am häufigsten fehlt. Beidbeiniges Hüpfen auf der Stelle, Seilspringen, danach einbeiniges Hüpfen, Prellhüpfe und Skippings. Starte mit zwei bis drei Sätzen zu 20 bis 30 Bodenkontakten und steigere langsam über die Kontaktzahl, nicht über die Sprunghöhe. Diese Übungen bereiten die Sehne auf das vor, was Laufen wirklich mit ihr macht: schnelle, hohe Lastspitzen im Millisekundenbereich.
Zwischen zwei solchen Einheiten liegt mindestens ein Tag Pause. Sehnen reagieren träge auf Reize, und die harte Arbeit passiert in der Erholung dazwischen, nicht beim Hüpfen selbst. Das Continuum-Modell erklärt auch, warum: Zu dichte Reizfolgen schieben eine beruhigte Sehne wieder in die reaktive Phase zurück.
Weiter, wenn 30 einbeinige Hüpfer unter drei von zehn Schmerz bleiben und der Heel-Rise-Test seitengleich ausfällt.
Zurück in den Sport
ab Woche 12 · dazu Krafttraining zweimal pro Woche
Erst hier kommt das Laufen strukturiert zurück, in Stufen und mit klaren Abbruchkriterien. Wie das konkret aussieht, steht weiter unten im Return-to-Run-Plan. Wichtig ist der Teil, den fast alle streichen, sobald es besser wird: Das Krafttraining bleibt. Zwei Einheiten pro Woche als Erhalt, für Monate, nicht für Wochen. Es ist die einzige Versicherung gegen den Rückfall, den du sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit bekommst.
Fertig bist du, wenn du dein altes Pensum läufst, morgens nicht steif aufstehst und der Heel-Rise-Test seitengleich bleibt.
Drei Programme im Vergleich: welches passt zu dir?
Es gibt nicht das eine richtige Programm. Es gibt drei gut untersuchte, die sich weniger in der Wirkung als im Aufwand unterscheiden. Und weil bei einer Beschwerde über drei Monate die Therapietreue über das Ergebnis entscheidet, ist der Aufwand kein Nebenaspekt, sondern das Auswahlkriterium.
Alfredson exzentrisch
Alfredson et al. 1998
Dosierung
3 × 15 Fersenabsenken mit gestrecktem Knie plus 3 × 15 mit gebeugtem Knie, zweimal täglich, sieben Tage die Woche, zwölf Wochen. Macht 180 Wiederholungen am Tag.
Last
Körpergewicht, dann Rucksack mit Scheiben oder Büchern, sobald es schmerzarm läuft.
Stärke
Am längsten untersucht. Alle 15 Freizeitsportler der Originalstudie waren nach zwölf Wochen zurück im Lauftraining.
Schwäche
Der Zeitaufwand. Zwei Einheiten täglich über drei Monate halten die wenigsten durch.
Heavy Slow Resistance
Beyer et al. 2015
Dosierung
Drei Einheiten pro Woche, drei Übungen, jeweils drei Sekunden hoch und drei Sekunden runter. Von 3 × 15 Wiederholungen zu 4 × 6 schweren Wiederholungen über zwölf Wochen.
Last
Langhantel, Beinpresse oder Wadenmaschine. Progressiv schwerer, das ist der Punkt.
Stärke
Gleiche Besserung wie exzentrisch bei einem Bruchteil der Einheiten. Therapietreue 92 statt 78 Prozent.
Schwäche
Du brauchst Gewichte und im besten Fall ein Studio.
Vier-Phasen-Programm
Pringels et al. 2025
Dosierung
Isometrisch, dann isotonisch schwer, dann Sprungbelastung, dann sportartspezifisch. Zwölf Wochen bis zum Wiedereinstieg, sechs Monate bis zum Endergebnis.
Last
Steigt mit jeder Phase, von gehaltener Spannung bis zum einbeinigen Sprung.
Stärke
Das einzige der drei, das die Federfunktion mittrainiert. Bei Ansatzbeschwerden lässt sich die Gelenkstellung sauber begrenzen.
Schwäche
Mehr Struktur nötig. Du musst selbst entscheiden, wann du die nächste Phase freischaltest.
Unsere Empfehlung für Läuferinnen und Läufer: Nimm Heavy Slow Resistance als Motor, weil drei Einheiten pro Woche realistisch in eine Trainingswoche passen, und häng ab Woche acht die Sprungphase an. Damit hast du das Beste aus beiden Welten: die Last, die die Sehne umbaut, und die Schnelligkeit, die sie beim Laufen aushalten muss. Das exzentrische Alfredson-Programm ist die Notlösung, wenn du weder Gewichte noch Studio hast. Es wirkt, aber es fordert dich täglich.
Insertional oder Mittelportion: warum die Übung sich unterscheidet
Sitzt der Schmerz direkt am Ansatz der Sehne an der Ferse, brauchst du ein modifiziertes Programm. Der Grund ist mechanisch: Wenn du die Ferse beim Wadenheben weit unter die Stufenkante absenkst, presst die Sehne in tiefer Dorsalextension gegen den Fersenknochen. Diese Kompression reizt eine Insertionstendinopathie zusätzlich, während sie der Mittelportion nichts ausmacht. Bei insertionsnahen Beschwerden senkst du die Ferse deshalb nur bis auf Bodenniveau ab, nicht darunter, und trainierst auf flachem Untergrund statt über die Stufenkante. Auch sehr steile Bergaufeinheiten und tiefe Hocken belasten den Ansatz stark und gehören in der akuten Phase pausiert.
Diese Unterscheidung erklärt auch, warum manche Betroffene mit dem klassischen Stufen-Wadenheben nicht weiterkommen oder sich sogar verschlechtern. Es ist nicht das Krafttraining an sich, sondern die zu tiefe Dehnposition für genau ihren Beschwerdetyp. Bist du dir unsicher, wo dein Schmerz sitzt, beginne konservativ auf flachem Boden und taste dich an die volle Bewegungsamplitude erst heran, wenn die Sehne ruhig bleibt.
Was eine aktuelle Studie dazu zeigt
Lange war das eine plausible Theorie ohne harten Beleg. 2025 hat eine randomisierte Studie sie geprüft. 42 sportlich aktive Patienten mit insertionsnaher Tendinopathie durchliefen dasselbe vierstufige Belastungsprogramm, aber in zwei Varianten: einmal mit begrenzter Dorsalextension, ohne Wadendehnen und mit Fersenkeilen im Schuh, einmal klassisch in voller Dehnung inklusive täglichem Dehnprogramm (Pringels et al. 2025).
Das Ergebnis war deutlicher als erwartet. Die Gruppe mit weniger Kompression verbesserte sich nach zwölf Wochen um 24,4 VISA-A-Punkte, die Vergleichsgruppe nur um 12,2. Der Unterschied von 12,9 Punkten (95 % Konfidenzintervall 6,2 bis 19,6) liegt über der Schwelle, ab der Patienten eine Veränderung überhaupt spüren. Nach 24 Wochen war der Vorsprung mit 10,4 Punkten immer noch da, wenn auch mit unsicherer unterer Grenze. Bei einer kleinen Studie mit 42 Teilnehmenden ist das kein Schlussstrich, aber die Richtung ist klar und passt zur Mechanik.
Für dich heißt das bei Schmerz direkt am Fersenbein:
Wadenheben nur bis Bodenniveau absenken, nie unter die Stufenkante.
Das Wadendehnen streichen. Es zieht den Ansatz genau in die Position, die ihn reizt.
Fersenkeile in beide Schuhe, auch in die Alltagsschuhe, und im Verlauf schrittweise wieder abbauen.
Tiefe Hocken, steile Bergaufeinheiten und Startblock-Positionen für die ersten Wochen streichen.
Rechne mit mehr Zeit. Insertionsnahe Beschwerden brauchen erfahrungsgemäß länger als die Mittelportion.
Wer dagegen die klassische Mittelportion hat, darf die Ferse ruhig unter die Stufenkante senken. Dort gibt es keinen Knochen, gegen den die Sehne gepresst wird, und die größere Bewegungsamplitude bringt mehr Reiz aufs Gewebe. Ausführlicher steht das im Beitrag zum Dehnen, das bei Sehnenbeschwerden generell weniger leistet, als sein Ruf verspricht.
Zurück zum Laufen: Last steuern statt pausieren
Du musst nicht zwingend komplett aufhören zu laufen. Entscheidend ist, die Last unter der Schmerzschwelle zu halten und dem Gewebe Zeit zur Anpassung zu geben. Eine bewährte Faustregel ist das Schmerz-Monitoring: Schmerz während und nach dem Laufen bis etwa fünf von zehn ist akzeptabel, solange er sich innerhalb von 24 Stunden beruhigt und die morgendliche Steifigkeit von Woche zu Woche nicht zunimmt. Wird der Anlaufschmerz dagegen Tag für Tag schlimmer, war die Last zu hoch.
Konkret heißt das: Reduziere Umfang und Tempo deutlich, streiche Tempoläufe und Bergsprints mit ihrer hohen Sehnenlast vorübergehend und laufe häufiger kurz statt selten lang. Halte deine Ausdauer mit sehnenschonenden Alternativen wie Radfahren, Schwimmen oder Aquajogging. Parallel läuft das Krafttraining weiter, das ist der eigentliche Motor der Heilung. Steigere danach geduldig, eine grobe Orientierung ist eine Umfangssteigerung von höchstens rund zehn Prozent pro Woche, Tempoeinheiten erst wieder, wenn lockeres Laufen über Wochen reizarm bleibt.
Dass dieses Weiterlaufen unter Kontrolle funktioniert, ist keine Vermutung. In einer randomisierten Studie durfte eine Gruppe mit genau diesem Schmerz-Monitoring weiterlaufen und weiterspringen, während die andere sechs Wochen lang auf Sehnenbelastung verzichtete. Nach zwölf Monaten standen beide Gruppen gleich gut da, und die laufende Gruppe hatte keine Nachteile (Silbernagel et al. 2007). Du musst also nicht zwischen Sehne und Sport wählen, sondern die Dosis finden, bei der beides geht.
Der Wiedereinstieg in fünf Stufen
Wenn du ganz raus warst, brauchst du keinen Trainingsplan, sondern eine Treppe mit Geländer. Jede Stufe läuft mindestens eine Woche, jeden zweiten Tag, auf flachem Untergrund und in ruhigem Tempo. Bleibt die Sehne ruhig, gehst du eine Stufe hoch. Nimmt die Morgensteifigkeit zwei Tage in Folge zu, gehst du eine Stufe zurück.
Beispiel-Programm
Return to Run: fünf Stufen zurück ins Lauftraining
jeden zweiten Tagmind. 1 Woche pro Stufeflach und langsam
Voraussetzung vor Stufe 1 30 Minuten zügiges Gehen ohne Nachwehen, Heel-Rise-Test annähernd seitengleich, 30 einbeinige Hüpfer unter drei von zehn Schmerz.
Stufe 1: Gehen und Laufen im Wechsel sechsmal eine Minute laufen, dazwischen zwei Minuten gehen. Insgesamt rund 20 Minuten.
Stufe 2: Laufblöcke verlängern sechsmal drei Minuten laufen mit einer Minute Gehpause, danach viermal fünf Minuten.
Stufe 3: durchlaufen 20 bis 30 Minuten am Stück in ruhigem Tempo, weiter jeden zweiten Tag.
Stufe 4: Umfang aufbauen auf drei bis vier Läufe pro Woche gehen, Steigerung höchstens etwa zehn Prozent pro Woche.
Stufe 5: Tempo und Berge zuletzt erst wenn lockeres Laufen vier Wochen reizarm bleibt. Beginne mit kurzen Steigerungsläufen, Bergsprints kommen ganz zum Schluss.
Beispielhafte Orientierung aus der zitierten Evidenz, kein individueller Trainingsplan. Das Krafttraining läuft in allen fünf Stufen weiter, es ist der eigentliche Motor. Zwischen zwei Laufeinheiten liegt in den Stufen 1 bis 3 immer ein Ruhetag oder eine stoßarme Einheit.
Halte deine Ausdauer in dieser Zeit mit stoßarmen Alternativen. Aquajogging kommt der Laufbewegung am nächsten, ohne dass die Sehne den Aufprall abfangen muss, Radfahren und Schwimmen funktionieren ebenso. Wer im Studio ist, kann zusätzlich mit Blood-Flow-Restriction-Training arbeiten, um mit kleinen Lasten einen Kraftreiz zu setzen, solange schwere Gewichte noch zu viel sind.
Der Wiedereinstieg ist kein Sprint: Cross-Training hält die Form, während die Sehne langsam belastbarer wird. Das Krafttraining bleibt der Motor, das Laufpensum folgt erst mit der Sehne.
Stoßwelle, Spritzen, Dehnen: was du dir sparen kannst
Wer monatelang Schmerzen hat, wird irgendwann für jede Abkürzung empfänglich. Genau deshalb lohnt der nüchterne Blick auf die Zweitlinien, denn die Datenlage hat sich in den letzten Jahren spürbar verschoben, und zwar nicht zugunsten der Spritzen und Geräte.
Blutplättchenreiches Plasma (PRP)
Eine Meta-Analyse aus sechs randomisierten Studien mit 422 Patienten fand keinen Vorteil gegenüber der Scheinbehandlung. Nach drei Monaten lag der Unterschied im VISA-A bei 1,7 Punkten (95 % Konfidenzintervall −1,8 bis 5,2), nach sechs Monaten bei 0,5 Punkten, nach einem Jahr bei −7,9 Punkten (Barreto et al. 2025). Alle drei Werte liegen weit unter dem, was Patienten überhaupt bemerken würden. Die Autoren weisen zusätzlich darauf hin, dass die Auswertung den Nutzen eher überschätzt als unterschätzt. Für eine Behandlung, die selbst zu zahlen ist, ist das ein klares Nein.
Stoßwellentherapie
Hier ist die Kehrtwende noch deutlicher. Eine systematische Übersicht aus neun randomisierten Studien mit 557 Patienten kommt zu dem Schluss, dass Stoßwelle weder bei insertionsnahen noch bei Mittelportions-Beschwerden einen klinisch bedeutsamen Vorteil gegenüber der Scheinbehandlung bringt (Korakakis et al. 2026). Der Titel der Arbeit fragt nicht ohne Grund, ob das der Sargnagel für die Methode ist. In den eingeschlossenen Studien traten außerdem zwei Achillessehnenrisse nach fokussierter Stoßwelle auf. Die Empfehlung der Autoren: nicht als Routinebehandlung, andere Optionen zuerst.
Kortison
Kortisonspritzen direkt an oder in die Achillessehne werden sehr zurückhaltend gesehen, weil sie das Gewebe schwächen und das Rissrisiko erhöhen können. Kurzfristige Schmerzlinderung ist möglich, sie kauft dir aber Zeit, in der du die Sehne weiter belastest, ohne die Warnsignale zu spüren. Was passiert, wenn eine vorgeschädigte Sehne reißt, beschreiben wir im Beitrag zur akuten Achillessehnenruptur.
Dehnen und passive Behandlungen
Wadendehnen fühlt sich nach der richtigen Idee an, leistet bei Sehnenbeschwerden aber wenig, und am Ansatz ist es sogar kontraproduktiv, weil es die Kompression gegen den Fersenknochen erhöht. Für Massage, Tape und Dry Needling als alleinige Behandlung ist die Evidenzlage schwach, so steht es auch in der aktuellen Leitlinie (Chimenti et al. 2024). Als Beiwerk neben dem Krafttraining stört nichts davon, als Ersatz taugt keines.
Das Muster dahinter ist übrigens konsistent: Eine Netzwerk-Meta-Analyse aus 29 Studien fand keinen bedeutsamen Unterschied zwischen den aktiven Behandlungen, wohl aber gegenüber dem Abwarten (van der Vlist et al. 2021). Die interessante Frage ist also nicht, welche Zusatzbehandlung du wählst, sondern ob du überhaupt konsequent belastest. Steck das Geld für die Spritze lieber in drei Monate Studio-Mitgliedschaft.
Rückfälle vermeiden: was die Sehne wirklich reizt
Ehrlichkeit gehört zu dieser Diagnose. In einer Kohorte von 1929 Läufern entwickelten 100 eine neue Achillessehnen-Tendinopathie, und von denen, die ein Jahr später antworteten, hatten 32 Prozent immer noch Beschwerden (Lagas et al. 2020). Ein Drittel wird die Sache also nicht in einem Jahr los. Das ist kein Grund zur Resignation, sondern das Argument dafür, es beim ersten Mal richtig zu machen und danach nicht in alte Muster zurückzufallen.
Interessant ist ein Nebenbefund derselben Studie: Wer vor dem Auftreten der Beschwerden mehr Kilometer pro Woche gelaufen war, hatte ein geringeres Risiko für anhaltende Symptome. Eine gut trainierte Sehne verzeiht mehr. Das deckt sich mit dem, was wir im Sehnentraining für Läufer beschreiben: Robustheit baust du vorher auf, nicht mitten in der Krise.
Die typischen Auslöser
Der Sprung im Umfang. Zwei ruhige Wochen, dann eine Woche mit plötzlich 40 Prozent mehr Kilometern. Klassiker nach dem Urlaub oder zum Trainingsstart.
Neue Tempoarbeit. Intervalle und Bergsprints belasten die Sehne um ein Vielfaches stärker als lockere Dauerläufe. Beides gleichzeitig neu einzuführen geht selten gut.
Der Schuhwechsel. Ein Modell mit deutlich weniger Sprengung verschiebt Last auf die Wade und die Achillessehne. Der Umstieg braucht Wochen, keine Tage.
Eine frühere Tendinopathie. Der mit Abstand stärkste Risikofaktor in der Läufer-Kohorte war eine Achillessehnen-Tendinopathie in der Vorgeschichte (Chen et al. 2023).
Bestimmte Medikamente. Fluorchinolon-Antibiotika und systemisches Kortison stehen im Verdacht, Sehnenprobleme zu begünstigen. Wenn du so etwas einnimmst, sprich das ärztlich an, bevor du hart belastest.
Was dich langfristig schützt
Der Erhalt ist unspektakulär und funktioniert trotzdem: zwei Krafteinheiten pro Woche für die Wade, dauerhaft, mit echtem Gewicht. Dazu ein Blick auf die Steigerungsraten, wenn du den Umfang aufbaust, und eine etwas höhere Schrittfrequenz, die die Belastungsspitzen pro Schritt senkt. Wer nach der Reha das Krafttraining einstellt, verliert die Anpassung wieder, und dann beginnt die Geschichte meist von vorn.
Zur Ernährung noch ein nüchternes Wort: Kollagenpeptide mit Vitamin C vor der Belastung sind ein plausibler, aber schwach belegter Zusatz. Sie ersetzen keine einzige Wiederholung. Die Last macht die Arbeit.
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Alle vier Phasen mit Dosierung, die Kriterien für den Phasenwechsel, der Return-to-Run-Plan und ein Protokollbogen für VISA-A, Heel-Rise-Test und Morgensteifigkeit. Zum Ausdrucken und Abhaken, ohne Anmeldung.
Schweres, langsames Wadenheben über die volle Bewegung, drei Einheiten pro Woche, progressiv schwerer. Das ist der am besten belegte Hebel.
Beschwerdeort beachten
Bei Schmerz am Ansatz die Ferse nur bis Bodenniveau senken, nicht darunter. Die Kompression reizt die Insertionsform zusätzlich.
Last steuern
Umfang und Tempo senken, Bergsprints streichen, Schmerz bis fünf von zehn erlauben, solange er sich beruhigt und die Sehne morgens nicht steifer wird.
Stoßarm cross-trainen
Radfahren, Schwimmen und Aquajogging halten die Ausdauer, ohne die Achillessehne stark zu belasten. So verlierst du kaum Form.
Die richtige Variante wählen
Exzentrisch und HSR wirken gleich gut. Nimm die, die du wirklich durchziehst, denn Therapietreue entscheidet über das Ergebnis.
Federfunktion trainieren
Ab Woche acht Hüpfen und Sprünge dazunehmen. Ohne diese Phase ist die Sehne auf das schnelle Federn beim Laufen nicht vorbereitet.
Fortschritt messen
VISA-A, Heel-Rise-Test und Morgensteifigkeit alle vier Wochen notieren. Ohne Zahlen verlierst du über Monate den Überblick.
In Monaten denken
Sehnen bauen langsam um. Geduld und konsequente Reize über Wochen und Monate schlagen jede Abkürzung über Spritze oder Pause.
Wie dich das Strongerlab Coaching bei Achillessehnen-Beschwerden unterstützt
Eine Achillessehnen-Tendinopathie loszuwerden heißt selten, einfach eine Übung zu machen. Es geht darum,
Belastung, Erholung und gezieltes Krafttraining zur richtigen Zeit zusammenzubringen, ohne dass dein
Training komplett zum Erliegen kommt. Im Strongerlab Coaching schauen wir gemeinsam, woher die Überlastung
der Sehne kommt und an welchen Stellschrauben du wirklich drehen musst.
Wir fokussieren uns auf deine Trainingsplanung und berücksichtigen dabei dein aktuelles Leistungsniveau,
deine Saisonziele und die realistischen Zeitfenster, die dir zur Verfügung stehen.
So entsteht ein Programm, das die Laufbelastung sauber dosiert, die Sehne progressiv kräftigt und dich
Schritt für Schritt zurück ins volle Training bringt.
✓Belastung dosieren statt komplett pausieren
✓Sehnen-Krafttraining gezielt aufbauen und steigern
✓Stoßarmes Cross-Training in der akuten Phase
✓Strukturierter, schmerzarmer Wiedereinstieg ins Laufen
Empfehlung von Strongerlab. Wenn deine Achillessehne morgens immer wieder steif ist oder du nicht weißt, wie
du trotz Beschwerden sinnvoll weitertrainierst, hilft dir ein strukturiertes Programm, die richtigen Reize
zur richtigen Zeit zu setzen.
1
Status-Quo Analyse
Wir starten mit einem Überblick über deine Beschwerden, dein aktuelles Training und deine Ziele.
So finden wir heraus, woher die Überlastung der Achillessehne wirklich kommt.
2
Strukturiertes Trainingsprogramm
Auf Basis deines Profils erstellen wir ein Programm aus dosierter Laufbelastung, Cross-Training und
progressivem Sehnen-Krafttraining, das dich schmerzarm aus der Achillessehnen-Tendinopathie herausführt.
3
Anpassung im nächsten Zyklus
Beschwerden verändern sich, Ziele verschieben sich. Lässt der Schmerz nach oder rückt ein Wettkampf näher, berücksichtigt das dein nächster Plan, damit du langfristig stabil bleibst.
Du willst das nicht allein planen? In einem kostenlosen 15-Minuten-Erstgespräch klären wir, ob das Coaching zu dir passt.
Die Achillessehnen-Tendinopathie, umgangssprachlich Achillodynie, ist eine schmerzhafte Überlastung der Achillessehne mit gestörtem Umbauprozess. Anders als der alte Begriff Tendinitis nahelegt, steht keine klassische Entzündung im Vordergrund, sondern ungeordnete Kollagenfasern und das Einsprossen neuer Gefäße. Leitsymptom ist der morgendliche Anlaufschmerz und eine steife, oft verdickte Sehne. Deshalb braucht das Gewebe keinen Entzündungshemmer, sondern dosierte, schwere Belastung als Reiz zum Umbau.
Was hilft wirklich gegen Achillessehnen-Schmerzen?
Am besten belegt ist progressives Krafttraining der Waden-Sehnen-Einheit statt Schonung. Exzentrisches Training und Heavy Slow Resistance bessern Schmerz und Funktion gleich gut, in einer direkten Vergleichsstudie hielt sich die HSR-Gruppe aber treuer ans Programm und war zufriedener. Eine Meta-Analyse aus acht Studien bestätigt den schmerzlindernden Effekt des exzentrischen Trainings. Entscheidend ist, dass die Sehne schwer und progressiv belastet wird und du über Monate dranbleibst.
Darf ich mit Achillessehnen-Tendinopathie weiterlaufen?
Oft ja, aber nur in deutlich reduzierter Dosis. Eine bewährte Regel: Schmerz während und nach dem Laufen bis etwa fünf von zehn ist akzeptabel, solange er sich innerhalb von 24 Stunden beruhigt und die morgendliche Steifigkeit von Woche zu Woche nicht zunimmt. Reduziere Umfang und Tempo, streiche Tempoläufe und Bergsprints vorübergehend und weiche zwischendurch auf Radfahren, Schwimmen oder Aquajogging aus. Wird der Anlaufschmerz Tag für Tag schlimmer, war die Last zu hoch.
Wie lange dauert eine Achillessehnen-Tendinopathie?
Sie ist langwierig. Sehnen sind schlecht durchblutet und bauen langsam um, deshalb rechnet man bei der Krafttherapie in Monaten, nicht Wochen. In den Vergleichsstudien dauerten die Programme zwölf Wochen, mit weiterer Besserung über das Jahr. Krafttraining bringt dich vor allem konsequent aus dem Schmerz, die vollständige Belastbarkeit braucht aber Geduld. Wer einmal betroffen war, hat das höchste Risiko für einen Rückfall und sollte beim Wiedereinstieg besonders behutsam steigern.
Was ist besser: exzentrisches Training oder Heavy Slow Resistance?
Für die Sehne ist beides gleich gut. In einer randomisierten Studie mit 58 Patienten verbesserten sich exzentrisches Training und Heavy Slow Resistance über zwölf Wochen gleich stark im VISA-A-Score und blieben auch nach einem Jahr stabil. Der praktische Unterschied: Heavy Slow Resistance kostet nur drei Einheiten pro Woche, das klassische exzentrische Alfredson-Programm verlangt zweimal täglich an sieben Tagen. Die HSR-Gruppe hielt sich treuer ans Programm und war zufriedener. Wähle die Variante, die du wirklich durchziehst.
Was ist der Unterschied zwischen Mittelportions- und Insertionstendinopathie?
Die Mittelportions-Tendinopathie sitzt etwa zwei bis sechs Zentimeter oberhalb der Ferse im freien Sehnenverlauf und ist die häufigste Form. Die Insertionstendinopathie sitzt direkt am Ansatz an der Ferse. Das ist wichtig fürs Training: Senkst du die Ferse beim Wadenheben weit unter die Stufenkante, presst die Sehne in tiefer Dehnung gegen den Fersenknochen. Diese Kompression reizt eine Insertionstendinopathie zusätzlich. Bei Ansatzbeschwerden senkst du die Ferse deshalb nur bis auf Bodenniveau ab, nicht darunter.
Helfen Spritzen oder Stoßwelle bei der Achillessehne?
Kortisonspritzen direkt an oder in die Achillessehne werden sehr zurückhaltend gesehen, weil sie das Gewebe schwächen und das Rissrisiko erhöhen können. Bei blutplättchenreichem Plasma fand eine Meta-Analyse aus sechs Studien mit 422 Patienten keinen Vorteil gegenüber der Scheinbehandlung, weder nach drei noch nach zwölf Monaten. Für die Stoßwellentherapie kommt eine Übersicht aus neun Studien mit 557 Patienten zum selben Schluss und rät von der Routineanwendung ab. Der Hebel bleibt das progressive Krafttraining über Monate.
Wann darf ich nach einer Achillessehnen-Tendinopathie wieder Tempo laufen?
Tempo kommt zuletzt, und zwar erst, wenn lockeres Laufen über etwa vier Wochen reizarm bleibt. Vorher sollten drei Dinge stehen: 30 Minuten zügiges Gehen ohne Nachwehen, ein annähernd seitengleicher Heel-Rise-Test und 30 einbeinige Hüpfer unter drei von zehn Schmerz. Danach beginnst du mit kurzen Steigerungsläufen, dann kommen Intervalle. Bergsprints und steile Anstiege haben die höchste Sehnenlast und kommen ganz am Schluss.
Helfen Fersenkeile bei Achillessehnenschmerz?
Bei Schmerz direkt am Ansatz an der Ferse sprechen gute Argumente dafür. In einer randomisierten Studie mit 42 sportlich aktiven Patienten kam die Gruppe, die die Kompression der Sehne reduzierte, also mit begrenzter Dorsalextension, ohne Wadendehnen und mit Fersenkeilen trainierte, nach zwölf Wochen auf 12,9 VISA-A-Punkte mehr als die Vergleichsgruppe (Pringels et al. 2025). Bei der Mittelportions-Tendinopathie im freien Sehnenverlauf bringen Fersenkeile diesen Vorteil nicht, dort ist die volle Bewegungsamplitude sogar erwünscht. Die Keile sind ein Werkzeug auf Zeit und werden im Verlauf wieder abgebaut.
Soll ich meine Wade bei Achillessehnenbeschwerden dehnen?
Eher nicht. Dehnen fühlt sich intuitiv richtig an, löst aber kein Sehnenproblem, weil die Ursache ein gestörter Umbau ist und keine verkürzte Muskulatur. Bei insertionsnahen Beschwerden ist es sogar schädlich: Die tiefe Dehnposition presst die Sehne gegen den Fersenknochen. In der Studie von Pringels und Kollegen schnitt genau die Gruppe schlechter ab, die täglich dehnte. Steck die Zeit lieber ins schwere, langsame Wadenheben.
Wie merke ich, ob mein Programm wirkt?
Miss statt zu raten. Drei Werte alle vier Wochen reichen: der VISA-A-Fragebogen, die Wiederholungszahl im einbeinigen Zehenstand im Seitenvergleich und die Morgensteifigkeit auf einer Skala von null bis zehn. Als klinisch bedeutsam gilt eine Verbesserung von etwa zehn VISA-A-Punkten. Da Sehnen über Monate umbauen und der Tagesschmerz stark schwankt, ist diese kleine Tabelle verlässlicher als dein Gefühl an einem einzelnen Tag.
Ist deine Achillessehne morgens steif?
Lass uns gemeinsam schauen, woher die Überlastung der Sehne kommt und wie du mit progressivem Krafttraining und kluger Belastungssteuerung schmerzfrei zurückkommst.
Quellen und Referenzen
Prudêncio, D. A., Maffulli, N., Migliorini, F. et al.
Eccentric exercise is more effective than other exercises in the treatment of mid-portion Achilles tendinopathy: systematic review and meta-analysis
Meta-Analyse
BMC Sports Science, Medicine and Rehabilitation, 15:9 (2023)
Maetz, R., Dubé, M.-O., Tougas, A., Prudhomme, F., Dubois, B. & Roy, J.-S.
Systematic Review and Meta-analyses of RCTs Comparing Exercise Loading Protocols With Passive Treatment Modalities or Other Loading Protocols for the Management of Midportion Achilles Tendinopathy
Systematischer Review
Orthopaedic Journal of Sports Medicine, 11(5) (2023)
van der Vlist, A. C., Winters, M., Weir, A., Ardern, C. L., Welton, N. J., Caldwell, D. M., Verhaar, J. A. N. & de Vos, R.-J.
Which treatment is most effective for patients with Achilles tendinopathy? A living systematic review with network meta-analysis of 29 randomised controlled trials
Netzwerk-Meta-Analyse
British Journal of Sports Medicine, 55(5):249–256 (2021). PMID: 32522732