Lauf-ABC und Lauftechnik-Drills: Was die Technik-Drills wirklich bringen
Skippings, Anfersen, Kniehebelauf, Steigerungen: Das Lauf-ABC gehört auf jede gute Bahn und in jedes Vereinstraining. Aber wofür ist es eigentlich gut? Wir trennen ehrlich, was die Drills leisten, von dem, was sie nur versprechen.
Das Wichtigste in Kürze
Das Lauf-ABC ist Technik- und Koordinationstraining. A-Skips, Anfersen, Kniehebelauf und Co. schulen Bewegungsmuster, Rhythmus und die neuromuskuläre Ansteuerung, nicht in erster Linie die Kraft.
Sein stärkster Nutzen liegt im Aufwärmen. Als aktiver Block vor Tempo machen die Drills das Nervensystem wach und die Muskulatur arbeitsbereit.
Der Beleg für bessere Laufökonomie ist gemischt. Ein systematischer Review fand für reines Techniktraining meist keine oder sogar negative Effekte auf die Ökonomie. Das gehört ehrlich gesagt.
Steigerungen runden das Lauf-ABC ab. Vier bis sechs lockere Beschleunigungen am Ende verbinden die Drills mit echtem Lauftempo.
Saubere Ausführung schlägt Masse. Zwei bis drei Minuten konzentriertes Lauf-ABC im Aufwärmen bringen mehr als zehn Minuten schlampige Wiederholungen.
Ja, aber anders, als viele denken. Das Lauf-ABC verbessert vor allem deine neuromuskuläre Koordination, dein Bewegungsgefühl und die Aktivierung im Aufwärmen. Was es laut Studienlage nicht zuverlässig tut, ist deine Laufökonomie messbar zu verbessern. Drills sind ein gutes Technik- und Warm-up-Werkzeug, aber kein direkter Tempohebel. Genau diese Unterscheidung machen die meisten Ratgeber nicht, und sie ist der Kern dieses Artikels.
Wer schon einmal an einer Tartanbahn vorbeigegangen ist, hat sie gesehen: Läuferinnen und Läufer, die mit hochgezogenen Knien, fersen-an-Gesäß und kurzen, federnden Schritten an einer unsichtbaren Linie entlanghüpfen. Das ist das Lauf-ABC, eine Sammlung von Technik-Drills, die seit Jahrzehnten zum Standardrepertoire von Leichtathletik und Lauftraining gehört. Fast jeder Trainer empfiehlt sie. Aber kaum jemand sagt offen, was sie wirklich leisten und was nicht.
In diesem Artikel klären wir, was die einzelnen Drills sind, wofür sie nachweislich gut sind, wie du sie sinnvoll ins Training einbaust, und was die Wissenschaft zur großen Frage sagt: Machen sie dich tatsächlich zu einem ökonomischeren Läufer? Die ehrliche Antwort ist differenzierter, als du vielleicht erwartest.
Was das Lauf-ABC ist und welche Drills dazugehören
Das Lauf-ABC ist eine Gruppe von Übungen, die einzelne Bausteine des Laufschritts isolieren und übertrieben deutlich ausführen. Statt zu laufen, zerlegst du die Bewegung in ihre Teile und drillst sie bewusst. Die Idee dahinter: Wenn das Nervensystem die sauberen Muster oft genug wiederholt, sollen sie sich auch im normalen Laufschritt durchsetzen. Das ist klassisches Koordinationstraining.
Die wichtigsten Drills im Überblick:
Kniehebelauf (High Knees). Du läufst auf der Stelle voran und ziehst die Knie betont hoch bis etwa auf Hüfthöhe, der Fuß setzt aktiv unter dem Körperschwerpunkt auf. Schult Kniehub, Hüftbeuger und einen aufrechten Oberkörper.
Anfersen (Butt Kicks). Die Fersen ziehen schnell Richtung Gesäß, während du langsam vorankommst. Trainiert eine schnelle Beinrückführung und einen kompakten Schwung des Unterschenkels.
Skippings und A-Skips. Eine Kombination aus Kniehub und einem kleinen Hüpfer pro Schritt. Der A-Skip ist der Klassiker: Knie hoch, ballenbetonter Abdruck, betont rhythmisch. Beim B-Skip streckst du das Bein nach dem Kniehub noch nach vorne aus und ziehst den Fuß aktiv unter dich, was die Bewegung anspruchsvoller macht.
Fußgelenkslauf (Ankling). Ganz kleine, schnelle Schritte fast nur aus dem Fußgelenk, mit minimalem Kniehub. Schult einen aktiven, reaktiven Fußaufsatz und eine kurze Bodenkontaktzeit.
Steigerungen (Strides). Streng genommen kein Drill, sondern kurze, locker beschleunigte Läufe. Sie gehören aber praktisch immer ans Ende einer Lauf-ABC-Routine und verbinden die Technikarbeit mit echtem Tempo.
Allen gemeinsam ist: Sie betonen einzelne Bewegungselemente, fordern Konzentration und Körpergefühl und werden bei moderater Intensität geübt. Das Lauf-ABC ist damit klar abgegrenzt von der Plyometrie, die mit hoher reaktiver Last gezielt Sprungkraft und Sehnensteifigkeit aufbaut, und von der Frage der reinen Schrittfrequenz, also wie viele Schritte du pro Minute machst. Hier geht es um die Qualität und Koordination der Bewegung selbst.
Wofür die Drills wirklich gut sind: Koordination und Aktivierung
Lass uns den Nutzen sauber sortieren, denn das Lauf-ABC hat klare Stärken, sie liegen nur woanders, als die Marketing-Versprechen oft behaupten. Drei Effekte sind gut begründbar.
Beim A-Skip wird der Kniehub mit einem kurzen, ballenbetonten Hüpfer kombiniert. Es geht um sauberen Rhythmus und Körpergefühl, nicht um maximale Höhe oder Tempo.
Erstens: Aktivierung im Aufwärmen. Ein aktives Aufwärmen wirkt über mehrere Wege. Es erhöht die Muskeltemperatur, beschleunigt die Sauerstoffaufnahme zu Beginn der Belastung und macht das Nervensystem wach. Ein umfassender Übersichtsartikel von McGowan und Kollegen (2015) ordnet diese Effekte den temperaturabhängigen, metabolischen, neuralen und psychologischen Mechanismen des Warm-ups zu, darunter die Post-Aktivierungs-Potenzierung. Genau in diese Lücke passt das Lauf-ABC: ein kurzer, koordinativ anspruchsvoller Block, der Beine und Kopf auf das folgende Tempo vorbereitet. Mehr dazu im Artikel zum richtigen Aufwärmen im Ausdauersport.
Zweitens: neuromuskuläre Koordination. Drills schulen das saubere Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen und Nervensystem. Du übst aktiven Kniehub, einen kompakten Abdruck und einen reaktiven Fußaufsatz in übertriebener Form. Das verbessert das Bewegungsgefühl und kann helfen, eingeschliffene Schludrigkeiten bewusst zu machen. Dass Krafttraining und explosive Reize die Laufökonomie über neuromuskuläre Anpassungen verbessern können, zeigt der Übersichtsartikel von Barnes und Kilding (2015). Das stützt das Koordinationsargument grundsätzlich, auch wenn es nicht das Lauf-ABC selbst untersucht.
Drittens: Technikbewusstsein und Verletzungsarbeit. Technikarbeit verändert die Biomechanik real. Eine randomisierte Studie von Chan und Kollegen (2018) zeigte, dass gezieltes Umlernen des Laufstils mit Echtzeit-Feedback das Verletzungsrisiko bei Laufanfängern über ein Jahr um 62 Prozent senkte und die vertikale Belastungsrate reduzierte. Das ist kein Beleg für das Lauf-ABC im engeren Sinne, aber es zeigt das Prinzip: Wer bewusst an der Bewegung arbeitet, verändert messbar etwas, oft eher bei Belastung und Verletzungsrisiko als beim Tempo.
Die ehrliche Einordnung: Was die Drills nicht zuverlässig leisten
Jetzt zum Punkt, an dem die meisten Ratgeber schweigen. Macht dich das Lauf-ABC zu einem ökonomischeren, schnelleren Läufer? Hier ist die Studienlage gemischt bis ernüchternd, und das gehört offen gesagt.
Der wichtigste Beleg ist ein systematischer Review von Isabel Moore (2016). Sie untersuchte, ob sich die Lauftechnik so verändern lässt, dass die Laufökonomie steigt. Das Ergebnis: Interventionen, die den Läufern eine bestimmte Technik vermittelten, führten überwiegend zu keiner Verbesserung der Ökonomie oder sogar zu einer Verschlechterung. Ob Technik systematisch zugunsten der Ökonomie verändert werden kann, bleibt laut Review unklar und inkonsistent. Eine ökonomische Lauftechnik gezielt anzutrainieren, sollte man demnach mit Vorsicht angehen.
Noch direkter ist eine kontrollierte Studie von Azevedo und Kollegen (2015). Dreißig Freizeitläufer absolvierten 15 Wochen Intervalltraining, eine Gruppe ergänzt um regelmäßiges Lauf-ABC. Beide Gruppen wurden schneller, aber das zusätzliche Lauf-ABC brachte keinen messbaren Vorteil für die biomechanischen Parameter oder die Leistung. Die Autoren schlossen, dass Lauf-ABC im Intervalltraining kein effizientes Mittel sei, um Mechanik und Leistung zu verbessern.
Was die Drills gut können, und wo der Beleg dünn wird
Einordnung nach Evidenzlage: Türkis steht für gut begründete Effekte (Aktivierung, Koordination, Technikbewusstsein), Orange für den gemischt bis schwach belegten direkten Effekt auf die Laufökonomie (Moore 2016, Azevedo 2015).
Wie passt das zusammen? Drills schärfen Technikgefühl und Aktivierung, das ist real. Aber der Sprung von sauberer Übungstechnik zu einer messbar geringeren Sauerstoffaufnahme bei Renntempo gelingt offenbar selten automatisch. Wer wirklich seine Ökonomie heben will, hat mit Plyometrie und schwerem Krafttraining die deutlich bessere Datenlage, auch wenn selbst dort die Effekte nur moderat sind. Das macht das Lauf-ABC nicht wertlos. Es verschiebt nur die Erwartung: vom Tempohebel zur Technik- und Aufwärmarbeit.
So baust du das Lauf-ABC sinnvoll ins Training ein
Mit der richtigen Erwartung ist das Lauf-ABC ein wertvolles Werkzeug. Der mit Abstand sinnvollste Platz ist das Aufwärmen vor einer schnellen Einheit. Dort nutzt du die Aktivierungswirkung und bereitest Koordination und Tempo vor, ohne extra Zeit zu investieren.
Steigerungen am Ende der Routine ziehen das Tempo locker bis fast zum Sprint hoch und übertragen die Technikarbeit in echtes Lauftempo. Entscheidend ist der entspannte, kontrollierte Lauf, nicht das letzte Prozent Geschwindigkeit.
Im Aufwärmen vor Tempo. Laufe erst 10 bis 15 Minuten locker ein. Dann ein kurzer Lauf-ABC-Block von zwei bis drei Minuten mit je einem Durchgang Kniehebelauf, Anfersen, A-Skip und Fußgelenkslauf über etwa 15 bis 20 Meter. Zum Abschluss vier bis sechs Steigerungen. So bist du körperlich und neuronal bereit für Intervalle oder Tempoläufe. Die Zahlen je Drill sind gängige Trainingspraxis, keine aus Studien abgeleiteten Pflichtwerte. Studienseitig belegt ist nur, dass in einem Aufwärmprotokoll sechs Steigerungen über je zehn Sekunden nach lockerem Einlaufen eingesetzt wurden (Wei 2020).
Als eigene Technikeinheit. Willst du gezielt an einem Bewegungsmuster arbeiten, eignet sich eine kurze Technikeinheit im ausgeruhten Zustand besser, etwa 10 bis 15 Minuten mit mehr Wiederholungen und voller Konzentration. Müde Beine üben müde Technik, deshalb gehört Feinarbeit nicht ans Ende einer harten Session.
Qualität vor Menge. Das wichtigste Prinzip: sauber statt viel. Ein konzentriert ausgeführter Kniehebelauf über 20 Meter bringt mehr als hektische 60 Meter mit hängendem Becken. Stell dir einen ruhigen, aufrechten Oberkörper, einen aktiven Fußaufsatz und einen klaren Rhythmus vor. Wenn die Technik zerfällt, ist der Drill zu Ende, nicht erst, wenn die Strecke voll ist.
Beispiel-Routine
Lauf-ABC im Aufwärmen vor einer Tempoeinheit
2 bis 3 x pro Wochevor Tempo oder Intervallen~20 min gesamt
10 bis 15 min locker einlaufen ganz ruhig, bis Muskulatur und Atmung warm sind.
Kniehebelauf, 2 x 15 bis 20 m Knie betont hoch, aufrechter Oberkörper, aktiver Fußaufsatz.
Anfersen, 2 x 15 bis 20 m Fersen schnell Richtung Gesäß, kompakter Unterschenkel.
A-Skip, 2 x 15 bis 20 m Kniehub plus kurzer, ballenbetonter Hüpfer im klaren Rhythmus.
Fußgelenkslauf, 2 x 15 bis 20 m kleine, schnelle Schritte fast nur aus dem Fußgelenk.
4 bis 6 Steigerungen über 60 bis 100 m locker beschleunigen bis fast zum Sprint, dann ausrollen.
Beispielhafte Orientierung aus Trainingspraxis und der zitierten Evidenz, kein individueller Trainingsplan. Die Distanzen je Drill sind gängige Konvention, nicht aus Studien abgeleitet. Steige bei Beschwerden oder als Einsteiger mit weniger Drills und Wiederholungen ein und achte auf saubere Ausführung statt Menge.
Häufige Fehler und für wen sich das Lauf-ABC lohnt
Das Lauf-ABC ist niedrigschwellig, aber leicht falsch gemacht. Die typischen Fehler kosten den Nutzen, ohne dass es auffällt.
Zu viel, zu schlampig
Lange Strecken mit zerfallender Technik schulen vor allem die schlechte Bewegung. Lieber kurze, saubere Durchgänge mit voller Konzentration.
Falsche Erwartung
Wer Drills als direkten Tempohebel sieht, wird enttäuscht. Sie sind Technik- und Aktivierungsarbeit, der Ökonomie-Hebel liegt bei Kraft und Plyometrie.
Müde Technik
Feinkoordination ans Ende einer harten Einheit zu legen, übt erschöpfte Muster. Technikarbeit gehört in den frischen Zustand.
Hängendes Becken
Beim Kniehub kippt oft die Hüfte ab und der Oberkörper sackt zusammen. Stabiler Rumpf und aufrechte Haltung sind wichtiger als Höhe.
Drills ohne Steigerungen
Ohne abschließende Steigerungen fehlt die Brücke zum echten Lauftempo. Die Koordination wird sonst nicht ins schnelle Laufen übertragen.
Kalter Start
Lauf-ABC gehört nach das lockere Einlaufen, nicht an den kalten Anfang. Sonst fehlt die Vorermüdung und das Verletzungsrisiko steigt.
Für wen lohnt es sich besonders? Für Einsteiger, die ein Gefühl für sauberes Laufen entwickeln wollen, für alle, die ohnehin schnelle Einheiten laufen und ein gutes Aufwärmen suchen, und für ambitionierte Läufer, die an einem konkreten Technikdetail arbeiten. Wer dagegen vor allem schneller werden will und schon viel läuft, sollte seine begrenzte Trainingszeit eher in Kraft, Plyometrie und gut dosierte Tempoarbeit stecken. Das Lauf-ABC ist dann das nützliche Beiwerk, nicht der Hauptmotor.
Fazit: Ein gutes Werkzeug mit der richtigen Erwartung
Das Lauf-ABC ist ein bewährtes Technik- und Aufwärmwerkzeug. Es schärft die neuromuskuläre Koordination, schult dein Bewegungsgefühl und aktiviert Muskulatur und Nervensystem vor schnellen Einheiten. Diese Effekte sind real und machen es zu einem sinnvollen Baustein im Lauftraining, besonders als kurzer Block im Aufwärmen mit abschließenden Steigerungen.
Was es nach ehrlicher Studienlage nicht zuverlässig leistet, ist eine messbar bessere Laufökonomie. Reines Techniktraining verbessert die Ökonomie laut systematischem Review meist nicht oder sogar negativ, und zusätzliches Lauf-ABC brachte in einer kontrollierten Studie keinen Leistungsvorteil. Behandle das Lauf-ABC also als das, was es ist: ein gutes, niedrigschwelliges Technik- und Warm-up-Werkzeug. Den direkten Tempogewinn holst du dir woanders. Wer das versteht, nutzt die Drills genau richtig, mit sauberer Ausführung, der passenden Erwartung und dem klaren Platz im Trainingsalltag.
Wie dich das strongerlab Coaching technisch sauberer laufen lässt
Drills wirken nur, wenn sie sauber ausgeführt und am richtigen Platz im Training stehen. Genau hier setzen
wir an. Im strongerlab Coaching schauen wir uns deine Lauftechnik und dein Aufwärmen an und entscheiden,
welche Drills dir gerade wirklich etwas bringen.
Wir bauen das Lauf-ABC mit realistischer Erwartung in deine Woche, als Aktivierung und Technikarbeit, und
lenken deine Energie für echte Tempogewinne dorthin, wo die Evidenz stark ist: in gut dosierte Kraft-,
Plyo- und Tempoarbeit. Kein Drill um des Drills willen.
✓Lauf-ABC als Aktivierung und Technikarbeit sinnvoll platziert
✓Realistische Erwartung statt Versprechen vom schnellen Tempogewinn
✓Technikfehler erkannt und gezielt korrigiert statt blind wiederholt
✓Trainingszeit dorthin gelenkt, wo die Evidenz für Tempo stark ist
Empfehlung von strongerlab. Gutes Lauf-ABC ist saubere Technik und ein waches Nervensystem, nicht ein vermeintliches Tempowunder.
1
Technik ansehen
Wir schauen uns deinen Laufstil und dein Aufwärmen an und finden heraus, welche Drills dir gerade
wirklich helfen.
2
Routine bauen
Wir legen einen kurzen, sauberen Lauf-ABC-Block fest und platzieren ihn dort, wo er die meiste Wirkung
entfaltet: im Aufwärmen vor Tempo.
3
Tempo richtig aufbauen
Für echte Geschwindigkeit kombinieren wir die Technikarbeit mit Kraft, Plyometrie und gut dosierten
Tempoeinheiten.
Das ist der ehrlichste Punkt: Der direkte Beleg dafür ist gemischt und eher schwach. Ein systematischer Review von Moore (2016) fand, dass Interventionen, die eine bestimmte Lauftechnik vermitteln, die Laufökonomie meist nicht verbessern oder sogar verschlechtern. Eine kontrollierte Studie über 15 Wochen (Azevedo 2015) sah durch zusätzliches Lauf-ABC keinen Mehrwert für Mechanik oder Leistung. Drills schärfen Koordination, Technikgefühl und Aktivierung. Sie sind aber kein Wundermittel für Tempo, und das solltest du wissen, bevor du dir zu viel davon versprichst.
Wofür ist das Lauf-ABC dann gut?
Für drei Dinge: erstens als Aktivierung im Aufwärmen, weil aktives Aufwärmen über neurale und metabolische Wege auf das folgende Tempo vorbereitet (McGowan 2015). Zweitens als neuromuskuläre Koordinationsschulung, also sauberere Bewegungsmuster, besseres Körpergefühl und kräftigeres Abdrücken. Drittens als Brücke zwischen lockerem Laufen und schnellen Einheiten. Das sind sinnvolle Ziele, nur eben nicht dasselbe wie eine messbar bessere Laufökonomie.
Wie baue ich das Lauf-ABC ins Training ein?
Am sinnvollsten als Teil des Aufwärmens vor einer Tempo- oder Intervalleinheit: erst 10 bis 15 Minuten locker laufen, dann zwei bis drei Minuten Lauf-ABC mit je einem kurzen Durchgang Kniehebelauf, Anfersen, A-Skip und Fußgelenkslauf, danach vier bis sechs Steigerungen. So ist die Muskulatur aktiviert und das Nervensystem wach. Alternativ kannst du eine eigene kurze Technikeinheit im ausgeruhten Zustand machen, wenn du gezielt an der Ausführung arbeiten willst.
Was sind Steigerungen und gehören sie zum Lauf-ABC?
Steigerungen (Strides) sind kurze, locker beschleunigte Läufe über etwa 60 bis 100 Meter, bei denen du das Tempo bis fast zum Sprint hochziehst und dann wieder ausrollst. Sie sind streng genommen kein Drill, gehören aber praktisch immer ans Ende einer Lauf-ABC-Routine, weil sie die Koordinationsübungen mit echtem Lauftempo verbinden. In einer Studie zum Aufwärmen wurden sechs Steigerungen über je zehn Sekunden nach lockerem Einlaufen genutzt (Wei 2020).
Was ist der Unterschied zwischen Lauf-ABC und Plyometrie?
Das Lauf-ABC ist Koordinations- und Techniktraining: Es schult Bewegungsmuster, Rhythmus und Aktivierung bei moderater Belastung. Plyometrie ist Sprungkrafttraining mit hoher reaktiver Belastung, die gezielt Sehnensteifigkeit und Reaktivkraft aufbaut. Für die Laufökonomie hat ausgerechnet die intensivere Plyometrie die bessere, wenn auch nur moderate Studienlage. Das Lauf-ABC ist die niedrigschwellige Technik- und Aktivierungsarbeit, nicht der Krafthebel.
Wie oft sollte ich Lauftechnik-Drills machen?
Zwei- bis dreimal pro Woche als kurzer Block im Aufwärmen reicht für die meisten Hobbyläufer. Mehr ist nicht automatisch besser. Wer ein konkretes Technikproblem hat, kann zusätzlich eine eigene Technikeinheit von zehn bis fünfzehn Minuten im ausgeruhten Zustand einlegen. Wichtig ist saubere Ausführung statt Masse: Ein schlampig hingeworfenes Lauf-ABC schult vor allem die schlampige Bewegung.
Lauftechnik und Tempo sinnvoll verbinden?
Das Lauf-ABC ist ein gutes Werkzeug, aber nur ein Baustein. Lass uns Technikarbeit, Aufwärmen und echte Tempoarbeit so in deinen Plan bauen, dass jeder Teil das tut, wofür er belegt ist.
Quellen und Referenzen
Moore, I. S.
Is There an Economical Running Technique? A Review of Modifiable Biomechanical Factors Affecting Running Economy
Eihara, Y., Takao, K., Sugiyama, T., Maeo, S., Terada, M., Kanehisa, H., Isaka, T.
Heavy Resistance Training Versus Plyometric Training for Improving Running Economy and Running Time Trial Performance: A Systematic Review and Meta-analysis