Neuseeland-Schwarze-Johannisbeere im Ausdauersport: Was Cassis-Anthocyane für Leistung, Durchblutung und Fettstoffwechsel bringen
Ein anthocyanreicher Beerenextrakt, der nicht auf Erholung zielt, sondern auf die Leistung selbst. Wir trennen sauber, was Studien zu Durchblutung, Fettverbrennung und Sprintleistung zeigen, und wo die Evidenz dünn bleibt.
Das Wichtigste in Kürze
Die Bottom-Line: Die einzige Meta-Analyse zum Thema findet einen kleinen, aber statistisch signifikanten Leistungseffekt (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,45). Klein heißt: ein Randeffekt für ambitionierte Sportlerinnen und Sportler, kein Gamechanger. Wer wenig erwartet, wird selten enttäuscht.
Am besten belegt ist mehr Fettoxidation. Bei moderater Dauerbelastung stieg die Fettverbrennung in zwei Radstudien bei 65 Prozent VO2max jeweils um rund 27 Prozent gegenüber Placebo.
Bessere Durchblutung als plausibler Pfad. Anthocyane weiteten in kontrollierten Studien Arterien während Muskelarbeit (Oberschenkelarterie 6 bis 8 Prozent größer). Der Mechanismus ist plausibel, aber noch nicht sauber an die Leistung gekoppelt.
Vielversprechend bei Wiederholungssprints. In einem Lauftest legten Aktive mit Extrakt rund 11 Prozent mehr Sprintdistanz zurück, bei höherer Laktattoleranz. Aber kleine Stichprobe.
Wichtige Einschränkung: Die Studien sind klein, oft an Sub-Elite, und einzelne Untersuchungen finden gar keinen Effekt. Das reicht für ein vorsichtiges kann sich lohnen, nicht für ein Versprechen.
Was bringt die Neuseeland-Schwarze-Johannisbeere im Ausdauersport?
Cassis-Anthocyane aus der Neuseeland-Schwarzen-Johannisbeere können die Ausdauerleistung laut einer Meta-Analyse leicht verbessern (Effekt 0,45). Am besten belegt ist mehr Fettoxidation bei langen Einheiten (rund 27 Prozent) plus eine bessere Durchblutung. Der Effekt ist real, aber klein und in den Studien uneinheitlich.
Die Schwarze Johannisbeere kennst du wahrscheinlich aus Saft und Marmelade. Im Ausdauersport interessiert nur ein Inhaltsstoff: die Anthocyane, die violetten Pflanzenfarbstoffe der Beere. Die neuseeländische Sorte (in Studien meist als NZBC abgekürzt) hat einen besonders hohen Anthocyangehalt, deshalb taucht sie in fast jeder Untersuchung auf. Verkauft wird sie als Extrakt in Kapseln oder als Pulver, dosiert nicht nach Beeren, sondern nach Milligramm Gesamt-Anthocyan.
Ein Wort zur Abgrenzung, weil die Verwechslung naheliegt. Das ist nicht der Sauerkirschsaft. Der Montmorency-Kirschsaft (Tart Cherry) wird vor allem für Regeneration und Schlaf untersucht. Die Cassis-Forschungslinie zielt woanders hin, nämlich auf die Leistung selbst, auf Durchblutung und auf den Stoffwechsel während der Belastung. Genau diese drei Versprechen nehmen wir uns jetzt der Reihe nach vor.
Was die Beere im Körper anstoßen soll
Anthocyane gehören zur großen Gruppe der Polyphenole, der sekundären Pflanzenstoffe. Im Körper wirken sie als Antioxidans. Sie greifen offenbar in die Gefäßregulation ein und beeinflussen den Fettstoffwechsel während der Belastung. Daraus leiten Hersteller drei große Versprechen ab: mehr Leistung, bessere Durchblutung, mehr Fettverbrennung.
Verkauft wird die Klasse als Extrakt in Kapseln oder als Pulver, dosiert nach Milligramm Gesamt-Anthocyan, nicht nach Beeren. In den Studien lag der wirksame Bereich bei 105 bis 210 mg pro Tag.
Wichtig ist die Dosis-Logik. In den Studien wurde der Extrakt nicht einmalig kurz vorher genommen, sondern über sieben Tage aufgebaut, mit der letzten Portion ein bis zwei Stunden vor der Belastung. Anthocyane scheinen also eher langsam zu wirken als akut. Das deckt sich mit der breiteren Forschung zu Antioxidantien im Ausdauersport, wo Timing und Dosierung den Unterschied machen und mehr nicht automatisch besser ist.
Was die Meta-Analyse zur Leistung wirklich sagt
Fangen wir oben an, beim besten verfügbaren Beleg. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von Braakhuis und Kolleginnen aus dem Jahr 2020 hat 16 Studien gesichtet und 9 davon quantitativ zusammengefasst. Das Ergebnis: ein kleiner, aber signifikanter Effekt auf die Sportleistung. In Zahlen eine standardisierte Mittelwertdifferenz von 0,45 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,09 bis 0,81, p = 0,01).
Was bedeutet so eine Zahl im Alltag? 0,45 ist in der Trainingswissenschaft ein kleiner bis mittlerer Effekt. Kein Schalter, der umgelegt wird, eher ein leichter Schub am Rand. Für jemanden auf Hobbyniveau, der noch große Sprünge übers Training holen kann, ist das Rauschen. Für ambitionierte Sportlerinnen und Sportler, bei denen es um Sekunden geht, kann so ein Randeffekt trotzdem zählen. Genau dort ordnen wir den Artikel ein.
Wie groß ist der Leistungseffekt wirklich?
Der gepoolte Effekt von 0,45 liegt zwischen klein und moderat. Weil das gesamte Konfidenzintervall rechts der Null bleibt, ist er signifikant, aber eben klein (Braakhuis et al. 2020, Meta-Analyse aus 9 gepoolten Studien).
Die Autorinnen nennen auch eine wirksame Dosis. Am besten schnitten 105 bis 210 mg Gesamt-Anthocyan pro Tag ab, über sieben Tage eingenommen, die letzte Dosis ein bis zwei Stunden vor der Belastung. Das ist eine berichtete Studiendosierung, keine Anwendungsanweisung, und es ist nicht die klassische eine-Kapsel-kurz-vorher-Logik.
Ehrlich bleiben heißt aber auch: Die Meta-Analyse hat klare Grenzen. Die Einzelstudien sind klein und oft an Sub-Elite durchgeführt. Die Messmethoden für die Mechanismen waren teils grob, und für viele Biomarker gab es schlicht zu wenig Daten, um sie zusammenzufassen. Ein kleiner signifikanter Effekt aus kleinen Studien bleibt ein vorsichtiges Signal, kein Beweis.
Durchblutung und Vasodilatation: der plausibelste Pfad
Warum sollte eine Beere die Leistung überhaupt anheben? Der am besten untersuchte Pfad führt über die Gefäße. In einer kontrollierten Studie (Cook und Kollegen, 2017) weitete sich bei jungen Männern während einer haltenden Muskelanspannung die Oberschenkelarterie deutlich. Mit Extrakt war ihr Durchmesser über die Belastung hinweg 6 bis 8 Prozent größer als unter Placebo. Gleichzeitig sank der periphere Gefäßwiderstand, das Herzzeitvolumen stieg. Übersetzt: Die Gefäße machen weiter auf, mehr Blut kommt in die arbeitende Muskulatur.
Das passt zu dem, was man von Anthocyanen aus der Grundlagenforschung erwartet. Sie scheinen die körpereigene Stickstoffmonoxid-Produktion zu unterstützen, also denselben Schalter, über den auch Nitrat aus der Roten Bete die Durchblutung beeinflusst. Wenn dich dieser Mechanismus genauer interessiert, vergleich das gern mit unserem Beitrag zu Nitrat und Roter Bete im Ausdauersport, wo derselbe Stickstoffmonoxid-Pfad im Zentrum steht.
Ein Wort der Vorsicht trotzdem. Eine weitere Arterie und mehr Blutfluss klingen logisch nach mehr Leistung, aber die Kette ist noch nicht sauber durchgezogen. Die Meta-Analyse selbst hält fest, dass eine akute Einnahme Gefäßreaktionen wie eine Vasodilatation auslösen kann, dass aber eine längere Einnahme nötig sein dürfte, um in die zelluläre Signalgebung einzugreifen. Es gibt also einen plausiblen Mechanismus und es gibt einen kleinen Leistungseffekt. Dass das eine direkt das andere erklärt, ist noch nicht bewiesen.
Fettstoffwechsel: hier ist die Datenlage am klarsten
Wenn ein Befund bei Cassis-Anthocyanen erstaunlich konsistent ist, dann dieser: Sie verschieben den Stoffwechsel bei langer, moderater Belastung hin zu mehr Fettverbrennung. In einer Radstudie (Cook und Kollegen, 2015) stieg die Fettoxidation bei 65 Prozent VO2max um 27 Prozent gegenüber Placebo. Eine spätere Studie an ausdauertrainierten Frauen (Strauss und Kollegen, 2018) fand bei 120 Minuten Radfahren auf demselben Intensitätsniveau exakt dieselbe Größenordnung, ebenfalls plus 27 Prozent.
Relevant wird die verschobene Fettverbrennung vor allem bei langen, moderaten Einheiten, in denen die Kohlenhydratspeicher knapp werden. Mehr Energie aus Fett schont theoretisch das begrenzte Glykogen.
Dass zwei unabhängige Studien dieselbe Zahl liefern, ist selten und macht den Fettstoffwechsel zum am besten gestützten Mechanismus dieser Klasse. Praktisch relevant wird das vor allem bei langen Einheiten, bei denen die Kohlenhydratspeicher knapp werden. Wer mehr Energie aus Fett zieht, schont theoretisch die begrenzten Glykogenvorräte. Das ist dieselbe Logik, die hinter dem klassischen Fettstoffwechseltraining steht.
Auch hier der nüchterne Zusatz: Mehr Fettoxidation im Labor ist nicht automatisch mehr Leistung im Rennen. In der oben erwähnten Radstudie kam zwar eine 2,4 Prozent schnellere 16,1-Kilometer-Zeitfahrt heraus, doch das war eine kleine Gruppe. Und eine andere Untersuchung (Montanari und Kollegen, 2020) fand über eine Woche wiederholter Tests an trainierten Radfahrern gar keine konsistenten Effekte auf Stoffwechsel und Leistung. Die Beere verschiebt den Stoffwechsel, ja. Ob das auf der Straße zählt, hängt vom Kontext ab.
Wiederholungssprints, Sicherheit und ehrliche Einordnung
Neben langer Dauerbelastung gibt es einen zweiten interessanten Strang: hochintensive, intermittierende Belastung, also Wiederholungssprints. In einem Lauftest (Perkins und Kollegen, 2015) legten aktive Männer mit Extrakt rund 11 Prozent mehr Gesamtdistanz und mehr Sprintdistanz zurück als unter Placebo, bei tendenziell höherer Laktattoleranz am Belastungsende. Eine neuere Untersuchung an Läufern bestätigte die Richtung mit etwa 8 Prozent mehr Distanz, betonte aber große individuelle Unterschiede. Wenn du dich für diese Trainingsform interessierst, schau dir ergänzend unseren Beitrag zum Sprintintervalltraining an, dort geht es um genau diese kurzen, harten Intervalle.
Zur Sicherheit: Die Meta-Analyse berichtet keine bekannten schädlichen Nebenwirkungen. Cassis-Anthocyane sind ein Lebensmittel-Extrakt, kein Arzneimittel, und in den Studien beschrieben die Forscher keine relevanten unerwünschten Effekte. Das macht die Klasse risikoarm im Vergleich zu manch anderem, was im Sport zirkuliert. Wie immer gilt: Bei Vorerkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme klärst du so etwas vorher ärztlich ab.
Wie ordnen wir das Ganze ein? Die Cassis-Anthocyane sind kein leeres Versprechen, aber auch kein Wundermittel. Der Leistungseffekt ist klein und nicht in jeder Studie da. Am robustesten ist die Verschiebung im Fettstoffwechsel. Plausibel ist die bessere Durchblutung, und spannend sind die Sprintbefunde. Für jemanden, der schon strukturiert trainiert und an den letzten Prozenten feilt, kann ein Versuch sinnvoll sein. Für alle, die noch Grundlegendes liegen lassen, bringt eine saubere Trainingssteuerung deutlich mehr als jede Beere.
Wie dich das strongerlab Coaching bei den letzten Prozenten unterstützt
Ein Supplement wie der Cassis-Extrakt wirkt höchstens am Rand, und nur, wenn das Fundament stimmt.
Im strongerlab Coaching sorgen wir zuerst für genau dieses Fundament, damit du die großen Hebel
ziehst, bevor du über Randeffekte nachdenkst.
Wir schauen uns an, wo deine echten Baustellen liegen, und bauen ein Trainingsprogramm, das die
Grundlagen sauber abdeckt. Erst wenn die stehen, lohnt sich der Blick auf Feinheiten wie
anthocyanreiche Extrakte rund um deine härtesten Belastungen.
✓Die großen Trainingshebel zuerst, bevor es um Randeffekte geht
✓Strukturiertes Trainingsprogramm statt Suche nach Wundermitteln
✓Lange Einheiten und harte Intervalle sinnvoll im Plan verteilt
✓Supplements evidenzbasiert eingeordnet, ohne Hype und Geldverschwendung
Empfehlung von strongerlab. Wer das Training strukturiert, holt mehr heraus als aus jeder Beere.
1
Status quo analysieren
Wir finden die Baustellen, die wirklich Leistung kosten, statt an Prozenten zu feilen,
solange das Fundament noch wackelt.
2
Trainingsprogramm bauen
Lange Grundlageneinheiten und harte Intervalle landen so im Plan, dass sich Ausdauer und
Tempohärte über die Saison aufbauen.
3
Bei Bedarf anpassen
Läuft etwas nicht wie geplant, justieren wir das Programm nach, damit Form und Zieltag
zusammenfallen.
Bringt die Neuseeland-Schwarze-Johannisbeere mehr Ausdauerleistung?
Laut der einzigen Meta-Analyse zum Thema (Braakhuis et al. 2020) gibt es einen kleinen, aber statistisch signifikanten Leistungseffekt der Cassis-Anthocyane (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,45). Klein heißt: ein Randeffekt, der für ambitionierte Athletinnen und Athleten zählen kann, aber kein Gamechanger ist. Die zugrunde liegenden Studien sind klein und teils uneinheitlich.
Was ist der Unterschied zum Montmorency-Kirschsaft?
Der Montmorency-Kirschsaft (Tart Cherry) wird vor allem für Regeneration und Schlaf untersucht. Die Forschungslinie zur Neuseeland-Schwarzen-Johannisbeere zielt dagegen auf die Leistung während der Belastung, auf Durchblutung und auf den Fettstoffwechsel. Beide sind anthocyanreich, untersuchen aber unterschiedliche Wirkfelder.
Welcher Mechanismus ist am besten belegt?
Am robustesten ist der Effekt auf die Fettoxidation bei moderater Dauerbelastung. In zwei unabhängigen Radstudien stieg die Fettverbrennung bei 65 Prozent VO2max jeweils um rund 27 Prozent gegenüber Placebo. Plausibel ist außerdem eine bessere Durchblutung über eine Gefäßweitung, die aber noch nicht sauber an die Leistung gekoppelt ist.
Welche Dosis wurde in den Studien verwendet?
In den Studien lag der wirksame Bereich bei 105 bis 210 mg Gesamt-Anthocyan pro Tag, über sieben Tage eingenommen, mit der letzten Dosis ein bis zwei Stunden vor der Belastung. Das ist eine berichtete Studiendosierung, keine Anwendungsempfehlung. Anthocyane scheinen eher über Tage aufzubauen als akut kurz vorher zu wirken.
Wirkt die Beere auch bei Wiederholungssprints?
In einem Lauftest (Perkins et al. 2015) legten aktive Männer mit Extrakt rund 11 Prozent mehr Sprintdistanz zurück, bei tendenziell höherer Laktattoleranz am Belastungsende. Eine neuere Studie bestätigte die Richtung mit etwa 8 Prozent mehr Distanz, betonte aber große individuelle Unterschiede. Die Stichproben sind klein, die Befunde damit vorsichtig zu lesen.
Gibt es Studien, die keinen Effekt finden?
Ja. Eine kontrollierte Studie an trainierten Radfahrern (Montanari et al. 2020) fand über eine Woche wiederholter Tests keine konsistenten Effekte auf Stoffwechsel und Leistung. Das gehört zur ehrlichen Einordnung: Der Leistungseffekt ist klein und nicht in jeder Untersuchung vorhanden.
Erst das Fundament, dann die Feinheiten?
Randeffekte bringen nur etwas, wenn das Training drumherum sitzt. Lass uns dein Trainingsprogramm so aufbauen, dass du die großen Hebel ziehst und an den letzten Prozenten erst feilst, wenn die Grundlagen stehen.
Quellen und Referenzen
Braakhuis, A. J., Somerville, V. X., Hurst, R. D.
The effect of New Zealand blackcurrant on sport performance and related biomarkers: a systematic review and meta-analysis
Meta-Analyse
Journal of the International Society of Sports Nutrition (2020)
Montanari, S., Şahin, M. A., Lee, B. J., Blacker, S. D., Willems, M. E. T.
No effects of New Zealand blackcurrant extract on physiological and performance responses in trained male cyclists undertaking repeated testing across a week period