Das Wichtigste in Kürze

  • Base-Building baut über hohes Volumen bei niedriger Intensität die aerobe Basis auf. Mehr Mitochondrien, dichtere Kapillaren, besserer Fettstoffwechsel. Diese Anpassungen tragen später jede Belastung
  • Kapillaren reagieren am besten auf lockeres Volumen. In einer Meta-Regression über rund 6.000 Teilnehmende baute klassisches Ausdauertraining die Kapillardichte 5 bis 10 Prozent stärker auf als hochintensive Protokolle
  • Rund 80 Prozent locker. Elite-Ausdauerathleten absolvieren über das Jahr etwa 80 Prozent ihres Trainings bei niedriger Intensität. In der Grundlagenphase ist dieser Anteil am höchsten
  • Plane die Base als Block von 8 bis 12 Wochen. Steigere den Wochenumfang um maximal rund 10 Prozent und baue alle 3 bis 4 Wochen eine Entlastungswoche ein
  • Volumen ersetzt keine Intensität. Eine RCT zeigte, dass reines lockeres Volumen die anaerobe Schwelle und VO2max nicht hebt. Die Base legt das Fundament, die spezifische Phase setzt die scharfen Reize

Was die Base-Phase ist und warum sie zuerst kommt

Base-Building ist die winterliche Grundlagenphase, in der du über hohes Volumen bei niedriger Intensität, rund 80 Prozent unter der ersten Schwelle, die aerobe Basis aufbaust. Über 8 bis 12 Wochen steigerst du den Umfang schrittweise. Diese Anpassungen tragen später die harten, spezifischen Reize der Saison.

Die Saison wird nicht im Sommer gewonnen, sondern im Winter vorbereitet. Base-Building, im deutschen Trainingsjargon die Grundlagenphase oder Vorbereitungsperiode, ist der erste große Block des Trainingsjahres. Hier baust du nicht Tempo auf, sondern die aerobe Basis, also die Fähigkeit deines Körpers, über lange Zeit ökonomisch Sauerstoff zu verbrennen und Fett als Treibstoff zu nutzen. Das ist der Kern der Grundlagenausdauer.

Der Kern ist simpel und wird trotzdem ständig missverstanden: viel Volumen, wenig Intensität. Du läufst, fährst oder schwimmst über Wochen überwiegend langsam, deutlich unter der ersten Laktatschwelle (LT1), in dem, was viele Trainer als GA1 oder Zone 1 bezeichnen. Es fühlt sich fast zu leicht an. Genau das ist der Punkt. Die Anpassungen, die hier entstehen, brauchen Zeit und Wiederholung, nicht Schmerz.

Warum zuerst? Weil die spezifischen, harten Einheiten der Wettkampfvorbereitung auf einem Fundament stehen müssen. Wer ohne aerobe Basis direkt in die Intervalle springt, hat eine niedrige Decke, ermüdet früher und verletzt sich häufiger. Die periodisierte Trainingslogik, wie sie etwa Issurin in seiner Übersicht zur Block-Periodisierung beschreibt, beginnt deshalb mit einem Akkumulationsblock: hohes Volumen, geringe Intensität, allgemeine Vorbereitung, bevor das Training spezifischer und intensiver wird. Die Base-Phase ist dieser Akkumulationsblock für deine aerobe Leistungsfähigkeit.

Wichtig: Die Base-Phase ist nicht dasselbe wie die Übergangsphase direkt nach der Saison. Die Übergangsphase ist Erholung und aktive Pause. Die Grundlagenphase ist strukturiertes, zielgerichtetes Aufbautraining, nur eben bei niedriger Intensität.

Was im Körper passiert: die aeroben Anpassungen

Niedrige Intensität klingt nach wenig Reiz, ist aber physiologisch hochwirksam, wenn das Volumen stimmt. Drei zentrale Anpassungen entstehen in der Base-Phase und tragen später deine gesamte Saison.

Radfahrer auf einer lockeren winterlichen Grundlagen-Ausfahrt auf einer ruhigen, nassen Landstraße, von hinten über die Schulter aufgenommen
Lockeres Volumen im Winter: lange, ruhige Einheiten unter der ersten Schwelle sind der stärkste Reiz für Mitochondrien und Kapillaren.

Erstens die Mitochondrien. Das sind die Kraftwerke deiner Muskelzellen, die aerob Energie produzieren. Langes, lockeres Training treibt die mitochondriale Biogenese an, also die Neubildung von Mitochondrien, vor allem in den langsam zuckenden Typ-I-Fasern, die bei niedriger Intensität rekrutiert werden. In der großen Meta-Regression von Mølmen und Kollegen über rund 6.000 Teilnehmende steigerte klassisches Ausdauertraining den Mitochondriengehalt um etwa 23 Prozent, hochintensives Training um 27 Prozent. Der Unterschied ist also kleiner, als viele denken, und niedrige Intensität erkauft sich den Effekt mit weniger Ermüdung, also mehr wiederholbaren Einheiten.

Zweitens die Kapillarisierung. Das ist die Verdichtung des feinen Blutgefäßnetzes um die Muskelfasern, das Sauerstoff anliefert und Stoffwechselprodukte abtransportiert. Genau hier glänzt das hohe Volumen bei niedriger Intensität. In derselben Meta-Regression baute Ausdauertraining die Kapillardichte um 5 bis 10 Prozent stärker auf als hochintensive oder Sprint-Protokolle. Kapillarisierung ist eine der Anpassungen, die sich am klarsten über lockeres Volumen aufbauen lässt, und sie ist ein wesentlicher Teil dessen, was eine breite aerobe Basis ausmacht.

Lockeres Volumen gegen Intensität: was wo am stärksten wirkt

Ausdauertraining (locker, viel Volumen) Hochintensives Training +30% +20% +10% 0% +23% +27% Mitochondrien stark geringer Kapillardichte (+5 bis 10 %-Pkt. Vorsprung) +10% +12% VO2max
Mittlere Anpassungen je Trainingsform. Beim Mitochondriengehalt und der VO2max liegt hochintensives Training knapp vorn, bei der Kapillardichte führt das lockere Volumen klar (rund 5 bis 10 Prozentpunkte). Werte nach Mølmen et al. 2025, schematisch dargestellt.

Drittens der Fettstoffwechsel. Bei niedriger Intensität verbrennt dein Körper bevorzugt Fett. Wer viel in diesem Bereich trainiert, verbessert die metabolische Flexibilität und schont die begrenzten Glykogenspeicher. In der randomisierten Studie von Matomäki und Kollegen verbesserte reines Low-Intensity-Training genau diese Marker, die erste Laktatschwelle und die Fettoxidation, deutlich, während dieselbe Trainingsform die VO2max und die zweite Schwelle nicht hob. Das ist die Base-Phase in einem Datensatz: Sie baut das aerobe Fundament, sie macht dich aber noch nicht schnell.

Die richtige Intensität: warum 80 Prozent locker

Die Frage, die in der Grundlagenphase über Erfolg oder Stagnation entscheidet, ist nicht wie lange, sondern wie locker. Der häufigste Fehler von Hobbyathleten ist der Drift in die Grauzone: Läufe, die sich anfühlen wie zügig, aber zu schnell für echte Basis-Arbeit und zu langsam für echten Tempoeffekt sind. Diese moderate Mitte kostet Erholung, ohne den vollen Nutzen zu bringen.

Die Forschung zur Trainingsintensitätsverteilung ist hier erstaunlich einig. In ihrer Übersicht über gut trainierte und Elite-Ausdauerathleten zeigen Stöggl und Sperlich, dass diese rund 80 Prozent ihres Trainings bei niedriger Intensität absolvieren, also unter etwa 2 mmol/l Blutlaktat. Die übrigen rund 20 Prozent verteilen sich auf wenige, dafür gezielt harte Einheiten. In der reinen Grundlagenphase ist der Anteil locker am höchsten. Harte Reize kommen erst später, wenn das Fundament steht.

Praktisch heißt das: Du läufst so langsam, dass du dich noch in ganzen Sätzen unterhalten könntest. Auf der RPE-Skala bist du bei etwa 3 bis 4 von 10. Wenn du nach Herzfrequenz steuerst, bleibst du klar unter LT1, oft bei rund 70 bis 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Es darf sich langweilig anfühlen. Disziplin in der Base-Phase bedeutet, langsam zu bleiben, obwohl du schneller könntest.

Ein wichtiger Vorbehalt: Das bedeutet nicht, im ganzen Winter ausschließlich langsam zu trainieren. Ein kleiner Anteil an Intensität, etwa Steigerungsläufe, kurze Bergsprints oder gelegentliche Schwellenberührungen, hält die neuromuskuläre Spritzigkeit wach und erleichtert später den Übergang. Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf dem Volumen. Wie sich die lockere Verteilung später zu einer schärferen, polarisierten oder pyramidalen wandelt, ist Thema des Übergangs.

So strukturierst du die Base-Periode

Eine Grundlagenphase ist kein loser Haufen lockerer Einheiten, sondern ein geplanter Block. Plane für die winterliche Base-Periode etwa 8 bis 12 Wochen, je nachdem, wie früh deine Saison beginnt und wie viel Zeit du hast.

Die wichtigste Stellschraube ist die schrittweise Steigerung des Wochenumfangs. Eine bewährte und konservative Faustregel ist, das Trainingsvolumen um maximal rund 10 Prozent pro Woche zu erhöhen. Steigst du zu schnell ein, kippst du in Überlastung statt in Anpassung. Plane außerdem alle 3 bis 4 Wochen eine Entlastungswoche mit reduziertem Umfang ein, damit der Körper die Reize verarbeiten und superkompensieren kann. Das Muster ist also nicht stetig steil bergauf, sondern wellenförmig: drei Wochen steigern, eine Woche entlasten.

Aufgeschlagenes Trainingslogbuch auf einem Holztisch mit handschriftlichem Wochenplan, lockeren langen Einheiten und einer Entlastungswoche, daneben eine Wasserflasche und Winterhandschuhe
Die Base-Phase verträgt Struktur: ein langer lockerer Lauf pro Woche, ein paar weitere ruhige Einheiten und alle drei bis vier Wochen eine Entlastungswoche.

Das Rückgrat jeder Woche ist der lange Lauf, die lange Ausfahrt oder die lange Schwimmeinheit. Diese eine lange, lockere Dauerbelastung pro Woche ist der stärkste Treiber der aeroben Anpassungen und wird im Verlauf der Base-Phase behutsam länger. Dazu kommen zwei bis drei weitere lockere Einheiten und, je nach Niveau, ein kleiner Anteil Intensität pro Woche. Die Frequenz, also wie oft du trainierst, ist dabei wichtiger als einzelne Mammut-Einheiten. Lieber öfter und kürzer als selten und brutal.

Ein zweiter Baustein, der genau in den Winter gehört, ist Krafttraining. Die Base-Phase mit ihrer niedrigen aeroben Intensität ist der ideale Zeitpunkt, Grundkraft und Sehnenrobustheit aufzubauen, weil sie wenig mit dem aeroben Volumen kollidiert.

Beispiel-Woche

Eine Base-Woche für ambitionierte Hobbyläufer

5 bis 6 Einheiten ~80% locker 1 langer Lauf
  1. Mo: Ruhe oder lockeres Cross-Training Schwimmen oder Rad ganz locker, oder ein echter Ruhetag zur Erholung.
  2. Di: lockerer Dauerlauf 45 bis 60 min ruhig unter der ersten Schwelle, am Ende vier bis sechs kurze Steigerungsläufe.
  3. Mi: Krafttraining plus kurzer Lauf Grundkraft und Rumpf, danach optional 30 min ganz locker.
  4. Do: lockerer Dauerlauf 45 min ruhig, Gespräch jederzeit möglich, reine Volumenarbeit.
  5. Fr: Ruhe oder leichte Mobilität, damit der lange Lauf am Wochenende frisch gelingt.
  6. Sa: langer Lauf 75 bis 110 min gleichmäßig locker, der wichtigste Reiz der Woche, im Verlauf der Base behutsam länger.

Beispielhafte Orientierung aus der zitierten Evidenz, kein individueller Trainingsplan. Steigere den Wochenumfang um maximal rund 10 Prozent und baue alle drei bis vier Wochen eine Entlastungswoche ein.

Der Übergang in die spezifische Phase

Die Base-Phase ist Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck. Irgendwann muss aus der breiten aeroben Basis Wettkampfleistung werden. Dieser Übergang ist der zweite kritische Moment im Trainingsjahr.

In der periodisierten Logik folgt auf den Akkumulationsblock, das hohe Volumen, ein Transmutationsblock: Das Training wird spezifischer und intensiver, das Volumen sinkt leicht, der Anteil an Schwellen- und VO2max-Arbeit steigt. Aus den lockeren 80 Prozent wird langsam eine schärfere Verteilung, etwa ein polarisiertes oder pyramidales Muster mit mehr harten Reizen. In der Meta-Analyse von Silva Oliveira und Kollegen über 17 Studien war eine polarisierte Verteilung, also rund 75 bis 80 Prozent locker, unter 10 Prozent moderat und 15 bis 20 Prozent hart, der Konkurrenz bei der Steigerung der VO2max überlegen, wenn auch mit kleinem Effekt. Diese harte Arbeit ist aber erst sinnvoll, wenn die Basis steht.

Genau deshalb darf die Base nicht zu früh enden und der Übergang nicht zu abrupt sein. Schraube den Intensitätsanteil über mehrere Wochen hoch, statt von einem Tag auf den anderen umzuschalten. Und behalte das Prinzip der Spezifität im Kopf: Reine aerobe Basis macht dich noch nicht für deinen Wettkampf bereit. Die RCT von Matomäki zeigte klar, dass Volumen die fehlende Intensität nicht voll ersetzen kann. Die Base-Phase ist die Voraussetzung, nicht die Vollendung. Sie legt das Fundament, auf das die spezifische Phase die scharfen, wettkampfnahen Reize setzt, die dich am Tag X schnell machen.