Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Namen, eine Sache. Belastungsasthma, Anstrengungsasthma und EIB (Exercise-Induced Bronchoconstriction) meinen dieselbe vorübergehende Verengung der Bronchien unter oder nach Belastung. Sie tritt mit oder ohne bekanntes Asthma auf.
  • Ausdauersportler trifft es öfter. Laut einer Meta-Analyse aus dem Umfeld des IOC (2022) hat gut jeder fünfte Athlet eine Funktionsstörung der unteren Atemwege, im Wassersport rund 40 Prozent, im Wintersport rund 30 Prozent.
  • Husten nach dem Training ist das häufigste Zeichen. Die Enge kommt meist nach 5 bis 10 Minuten harter Belastung und ist 3 bis 15 Minuten nach dem Stopp am stärksten. Sicher wird die Diagnose erst mit einem Provokationstest und mindestens 10 Prozent FEV1-Abfall.
  • Aufwärmen und Spray vor dem Sport. Intensives, variables Aufwärmen senkt den FEV1-Abfall um rund 10 Prozentpunkte. Wer Asthma und regelmäßig Beschwerden hat, braucht laut GINA und Nationaler VersorgungsLeitlinie eine Basistherapie mit inhalativem Kortison, nicht nur ein Notfallspray.
  • Im Wettkampf erlaubt, mit Obergrenzen. Inhaliertes Salbutamol, Formoterol, Salmeterol und Vilanterol sind nach der WADA-Liste 2026 bis zu festen Dosen ohne Ausnahmegenehmigung erlaubt. Mit dem Training aufhören musst du wegen Belastungsasthma nicht.

Was ist Belastungsasthma (Anstrengungsasthma)?

Belastungsasthma, auch Anstrengungsasthma oder EIB genannt, ist eine vorübergehende Verengung der Bronchien während oder kurz nach intensiver Belastung. Auslöser ist die große Menge trockener, kühler Luft, die beim harten Atmen die Schleimhaut austrocknet. Typisch sind Husten und Pfeifen nach dem Training. Gesichert wird es per Lungenfunktionstest, behandelt mit Aufwärmen und Spray vor dem Sport.

Der Fachbegriff lautet Exercise-Induced Bronchoconstriction. Viele Ausdauersportler haben sie, ohne es zu wissen. Sie halten den Husten nach dem Intervalltraining für eine Erkältung, die nie ganz weggeht, und das Engegefühl auf den letzten Kilometern für fehlende Form. Eine unbehandelte Bronchokonstriktion bremst die Atmung aber genau dann, wenn du sie am meisten brauchst.

Belastungsasthma ist gut erforscht und gut behandelbar. Für dich als Ausdauersportler zählen vier Fragen: woran du es erkennst, wie du es von EILO und schlechter Form unterscheidest, welcher Test es nachweist und was Aufwärmen, Spray und Anti-Doping-Regeln damit zu tun haben.

Ursachen: Was beim Belastungsasthma in den Atemwegen passiert

Ist Belastungsasthma ein Asthma bronchiale? Nicht unbedingt. Trotz des Namens ist es keine eigene Asthmaform, sondern ein Muster: Die Bronchien verengen sich akut unter oder kurz nach Belastung. Das passiert bei Menschen mit Asthma bronchiale, dann sprechen Fachleute von EIB mit Asthma. Es trifft aber auch Athleten, die außerhalb des Sports nie Atemprobleme haben. Das ist EIB ohne Asthma. Rund 90 Prozent aller Asthmatiker kennen die Verengung unter Belastung, auf sie beschränkt ist sie nicht.

Mit Trainingsschwäche hat der Mechanismus wenig zu tun. Unter Belastung steigt das Atemminutenvolumen von etwa 6 bis 10 Litern in Ruhe auf 100 bis 200 Liter pro Minute. Du atmest durch den Mund, die Nase als Luftbefeuchter fällt weg. Diese Luftmengen müssen in Sekunden angewärmt und angefeuchtet werden, und dabei verdunstet Wasser von der Schleimhaut schneller, als es nachkommt. Die Salzkonzentration in der dünnen Flüssigkeitsschicht steigt. Auf diesen osmotischen Reiz antworten Mastzellen mit Botenstoffen wie Histamin und Leukotrienen. Die glatte Muskulatur der Bronchien zieht sich zusammen.

Bei Athleten ohne Asthma kommt ein zweiter Faktor dazu: Jahrelanges Einatmen kalter, trockener oder belasteter Luft schädigt die oberste Zellschicht der Atemwege immer wieder. Kälte ist der stärkste Verstärker, weil kalte Luft kaum Feuchtigkeit mitbringt. Im Hallenbad übernehmen Chlorverbindungen über der Wasseroberfläche diese Rolle, in der Stadt Abgase und Ozon. Bei Allergikern kommen Pollen dazu, eine allergische Veranlagung (Atopie) gilt als Risikofaktor. Wer im Frühjahr nach jedem Lauf hustet und im Herbst kaum, sollte das beim Arzt erwähnen.

Für Ausdauersportler ist also nicht die Anstrengung an sich das Problem, sondern die Luftmenge und was in ihr steckt. Wer über Stunden im oberen Grundlagen- oder Schwellenbereich atmet, setzt seine Atemwege einem Dauerreiz aus, den ein Spaziergänger nie erlebt.

Wie häufig ist Belastungsasthma im Ausdauersport?

Die belastbarste Zahl liefert eine Meta-Analyse einer Arbeitsgruppe des IOC (Price et al., 2022) mit 64 Studien und 37.643 Athleten. Gut jeder fünfte Sportler, 21,8 Prozent, hatte eine Funktionsstörung der unteren Atemwege, also Asthma oder Belastungsasthma. Am höchsten lag der Anteil im Wassersport mit 39,9 Prozent, im Wintersport mit 29,5 Prozent und bei Elite-Ausdauersportlern mit 25,1 Prozent. In der Allgemeinbevölkerung sind es 5 bis 20 Prozent.

Wie häufig ist Belastungsasthma? Anteil nach Gruppe

0 15 30 45 60 Allgemeinbevölkerung 5–20 % Athleten gesamt 21,8 % Elite-Ausdauersport 25,1 % Wintersport 29,5 % Wassersport 39,9 % Anteil mit Funktionsstörung der unteren Atemwege in Prozent
Asthma und Belastungsasthma sind im Wasser-, Winter- und Elite-Ausdauersport häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Gepoolte Werte aus 64 Studien (Price et al. 2022), Allgemeinbevölkerung nach Aggarwal et al. 2018.

Ältere Übersichtsarbeiten nennen für Elite- und Ausdauerathleten oft 30 bis 70 Prozent. Diese Spanne stammt aus Einzelstudien mit besonders gefährdeten Gruppen wie Langläufern und Schwimmern und aus sehr unterschiedlichen Testverfahren. In manchen Sportarten ist tatsächlich mehr als die Hälfte betroffen (Hostrup et al., 2024). Im Mittel trifft es aber selbst Elite-Ausdauersportler etwa jeden Vierten, nicht jeden Zweiten. Für eine Altersklassen-Läuferin ist der Mittelwert die ehrlichere Orientierung.

Drei Gruppen fallen heraus. Langläufer, Biathleten und alle, die im Winter draußen hart trainieren, atmen die trockenste Luft. Wassersportler liegen mit rund 40 Prozent im Mittel ganz vorn. Hier reizen Chlorverbindungen statt Kälte. Und Ausdauersportler allgemein bewegen über Stunden sehr große Luftmengen.

Schwimmer pausiert am Beckenrand eines Hallenbads zwischen zwei Sätzen, Schwimmbrille hochgeschoben, atmet schwer mit angehobenen Schultern, feuchter Dunst über der Wasseroberfläche
Im Wassersport haben im Mittel rund 40 Prozent der Athleten eine Atemwegsfunktionsstörung. Nicht Kälte, sondern Chlor und seine Nebenprodukte in der feuchten Hallenluft reizen hier die Atemwege.

Beim Geschlecht fand die Meta-Analyse von Rodriguez Bauza und Silveyra (2020) keinen statistisch gesicherten Unterschied in der EIB-Häufigkeit (Männer 17, Frauen 13 Prozent). Die allergisch mitbedingte Form war bei Männern aber deutlich häufiger (36 gegenüber 15 Prozent). Der wichtigste Befund für die Praxis bleibt ein anderer: Viele betroffene Ausdauersportler wissen nichts von ihrem Belastungsasthma.

Symptome: Woran du Belastungsasthma erkennst

Dienstagabend, 6 × 1000 Meter auf der Bahn. Die Intervalle laufen gut, aber zehn Minuten nach dem Auslaufen sitzt du im Auto und hustest immer noch, trocken und kitzelnd. So sieht das klassische Bild aus. Diese Beschwerden sind typisch:

  • Husten nach der Belastung, oft trocken und bei vielen das einzige Zeichen
  • Pfeifen oder Giemen beim Ausatmen
  • Engegefühl in der Brust
  • Atemnot, die nicht zur Intensität passt, und eine Atmung, die sich nach dem Stopp langsamer beruhigt als gewohnt

Charakteristisch ist der Zeitverlauf. Die Bronchien verengen sich meist nicht am Anfang, sondern nach 5 bis 10 Minuten harter Belastung (Aggarwal et al., 2018). Am stärksten ist die Verengung 3 bis 15 Minuten nach dem Aufhören. Während der Einheit kommen viele Betroffene noch recht gut zurecht (Clemm et al., 2022). Kalte, trockene Luft verstärkt die Beschwerden, Wettkampftempo ebenso. Lockere Dauerläufe bleiben oft ruhig.

Symptome allein reichen trotzdem nicht für die Diagnose. In der Meta-Analyse zur Diagnostik (Reier-Nilsen et al., 2023) berichtete mehr als die Hälfte der Athleten mit unauffälligem Provokationstest trotzdem über Atembeschwerden unter Belastung. Husten nach dem Lauf ist ein guter Grund für einen Test, aber noch kein Befund.

Wann es ein Notfall ist: Atemnot, die sich in Ruhe nicht bessert oder trotz Spray zunimmt, Sprechen nur noch in Wortfetzen oder bläuliche Lippen. Dann brich ab und ruf 112.

Belastungsasthma, EILO oder einfach keine Kondition?

Husten und Atemnot unter Belastung haben mehrere Ursachen, die sich ähnlich anfühlen. Die GINA-Strategie verlangt ausdrücklich, Belastungsasthma von Beschwerden durch Übergewicht oder schlechte Fitness zu unterscheiden (Reddel et al., 2022). Diese Merkmale helfen beim Einordnen, einen Test ersetzen sie nicht.

  • Belastungsasthma (EIB): Pfeifen und Enge beim Ausatmen, Husten nach der Einheit, am schlimmsten einige Minuten nach dem Stopp. Ein Beta-2-Spray bessert die Beschwerden.
  • EILO (Engstelle im Kehlkopf): hohes, ziehendes Geräusch beim Einatmen, Enge im Hals, auf dem Belastungsgipfel. Nach dem Stopp meist in 2 bis 3 Minuten vorbei, ein Asthmaspray hilft nicht. Mehr dazu im Artikel über EILO und Atemnot aus dem Kehlkopf.
  • Fehlende Kondition: Die Atemnot passt zum Tempo, es pfeift nicht, und nach dem Stopp beruhigt sich die Atmung in wenigen Minuten, ohne Hustenreiz.
  • Husten nach einem Infekt: beginnt mit oder nach einer Erkältung und ist auch in Ruhe da. Wann du wieder trainieren solltest, steht im Artikel Sport bei Erkältung: die Neck-Check-Regel.
  • SIPE im Freiwasser: Atemnot beim Schwimmen mit feuchtem, schaumigem oder blutigem Husten ist kein Asthma, sondern ein Notfall. Raus aus dem Wasser und Hilfe holen, Details im Artikel über SIPE, das Lungenödem beim Freiwasserschwimmen.

EIB und EILO kommen auch zusammen vor. Wird EILO für Asthma gehalten, bekommen Athleten unnötig Asthmamittel und wundern sich, dass nichts wirkt (Clemm et al., 2022). Unser Rat: Bringt dein Spray bei richtiger Anwendung keine Besserung, frag gezielt nach EILO.

Diagnose: Welcher Test Belastungsasthma nachweist

Ein normaler Lungenfunktionstest in Ruhe schließt Belastungsasthma nicht aus. Bei vielen Betroffenen ist die Spirometrie in Ruhe unauffällig, die Verengung zeigt sich erst nach einem Reiz. Was ein Ruhetest leisten kann, steht im Artikel zur Spirometrie im Ausdauersport.

Beweisend ist ein Provokationstest. Gemessen wird das FEV1, die Luftmenge, die du in der ersten Sekunde kräftig ausatmest, vor und nach einem Reiz. Der Reiz ist entweder eine standardisierte Belastung auf Laufband, Ergometer oder im Feld oder eine eukapnische willkürliche Hyperventilation (EVH). Bei der EVH atmest du sechs Minuten lang sehr viel trockenes Gasgemisch, das den Reiz eines harten Rennens nachstellt. Nach der ATS-Leitlinie (Parsons et al., 2013) gilt ein FEV1-Abfall um mindestens 10 Prozent als positiv. 10 bis 25 Prozent gelten als leicht, 25 bis 50 als mittel, mehr als 50 Prozent als schwer.

Perfekt ist kein Test. Die IOC-Meta-Analyse zur Diagnostik (Reier-Nilsen et al., 2023) fand für EVH und Belastungstests im Feld eine ähnliche, mäßige Treffsicherheit. Bei Athleten mit Beschwerden erkannte die EVH 46 Prozent, der Belastungstest 51 Prozent der Fälle. Der Methacholin-Test schnitt insgesamt schlechter ab. Ein negativer Test schließt Belastungsasthma deshalb nicht sicher aus. Passen deine Beschwerden weiter ins Bild, ist ein zweiter Test oder ein anderes Verfahren eine gute Frage an deinen Arzt.

Ansprechpartner sind Lungenfachärzte und sportmedizinische Ambulanzen. Notier dir vorher zwei, drei Wochen lang, nach welchen Einheiten, bei welcher Temperatur und wie lange die Beschwerden auftreten. Und kläre ab, ob du ein vorhandenes Spray vor dem Test weglassen sollst, sonst fällt das Ergebnis womöglich falsch negativ aus. Für Wettkampfsportler ist der objektive Befund ohnehin Pflicht, weil er die Grundlage für jede Ausnahmegenehmigung bildet.

Was gegen Belastungsasthma hilft, ohne Medikamente

Die wirksamste Maßnahme ohne Medikament ist ein gezieltes Aufwärmen. Nach einer ersten intensiven Belastung folgt bei vielen Betroffenen eine Refraktärphase von ein bis vier Stunden. In dieser Zeit löst eine erneute Belastung deutlich weniger Bronchokonstriktion aus, weil die Mastzellen ihre Botenstoffe schon ausgeschüttet haben.

Läufer mitten in einem kurzen, harten Steigerungslauf auf einer leeren Tartanbahn vor der Haupteinheit, Körper in den Sprint geneigt, ein Fuß stößt sich von der abgenutzten Bahn ab
Kurze, kräftige Belastungsspitzen vor der eigentlichen Einheit erzeugen die Refraktärphase. Dieses hoch-intensive, variable Aufwärmen schützt die Atemwege, lockeres Einrollen tut es nicht.

Welche Aufwärmform am besten schützt, hat ein systematischer Review von Stickland und Kollegen (2012) verglichen. Ein Aufwärmen mit hoher Intensität (mittlere Differenz minus 10,6 Prozentpunkte) oder mit wechselnden Intensitäten (minus 10,9) senkte den anschließenden FEV1-Abfall deutlich. Gleichmäßiges Aufwärmen brachte keinen gesicherten Schutz, egal ob locker oder durchgehend hart. Umgesetzt sind das mehrere 30-Sekunden-Sprints mit Pausen, 10 bis 15 Minuten vor dem Start, statt 15 Minuten locker einzurollen. Wer mit VO2max-Intervallen arbeitet, kennt die nötige Intensität. Wie ein gutes Warm-up sonst aussieht, steht im Artikel Aufwärmen im Ausdauersport.

Zweiter Hebel ist die Luft selbst. Bei Kälte wärmt ein über Mund und Nase gezogener Buff oder eine Wärmetauschmaske die Einatemluft an und hält Feuchtigkeit zurück. Das senkt den Reiz direkt an der Quelle. Bei Frost um minus zehn Grad gehören harte Intervalle aus unserer Sicht aufs Laufband oder die Rolle, nicht auf die Straße. Was im Winter sonst zählt, steht im Artikel Laufen bei Kälte. An Tagen mit starkem Smog, hohem Ozon oder, bei Allergikern, starkem Pollenflug gilt dasselbe Prinzip: Intensität rausnehmen oder nach drinnen gehen.

Bei der Ernährung ist die Evidenz schwächer. Natriumarme Kost milderte in Studien bei einem Teil der Betroffenen den Schweregrad, ähnlich wie Omega-3-Fettsäuren oder Vitamin C. Eine Therapie ersetzt das nicht. Atemmuskeltraining stärkt die Einatemmuskulatur, ob es bei Belastungsasthma etwas bringt, ist kaum untersucht. Für Belastungsasthma würden wir dafür keine Trainingszeit opfern, solange Aufwärmen und Luftschutz nicht sitzen.

Behandlung: Spray vor dem Sport und Basistherapie

Welches Medikament du brauchst, hängt davon ab, ob hinter dem Belastungsasthma ein Asthma bronchiale steckt. Präparat wie Dosis legt dein Arzt fest. Die Leitlinien geben dafür einen klaren Rahmen.

Ohne Asthma oder bei seltenen Beschwerden ist ein kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum (SABA, etwa Salbutamol) vor der Belastung die erste Wahl. Die ATS-Leitlinie spricht dafür eine starke Empfehlung aus, inhaliert etwa 15 Minuten vorher. Ein Cochrane-Review mit 53 Studien (Bonini et al., 2013) zeigt die Größenordnung: Eine einzelne Dosis vor dem Sport verringerte den maximalen FEV1-Abfall im Mittel um rund 18 Prozentpunkte gegenüber Placebo, ohne mehr Nebenwirkungen. Rechnerisch wird aus einem mittelschweren Abfall von 25 Prozent einer von etwa 7 Prozent. Bei täglichem Gebrauch gewöhnt sich der Körper allerdings an das Mittel. Die Schutzwirkung wird dann kürzer.

Mit Asthma hat sich die Empfehlung in den letzten Jahren verschoben. Die GINA-Strategie rät seit 2021 davon ab, Jugendliche und Erwachsene allein mit einem SABA zu behandeln (Reddel et al., 2022). Bei Belastungsasthma empfiehlt sie eine kortisonhaltige Basistherapie. Wer ohnehin eine Kombination aus inhalativem Kortison (ICS) und Formoterol nutzt, nimmt sie bei Bedarf auch vor dem Sport und braucht kein separates SABA-Spray. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma (Version 5, 2024) sieht es ähnlich: Bei seltenen Beschwerden unter sonst gut kontrolliertem Asthma soll unmittelbar vor der Belastung ein SABA oder eine niedrig dosierte ICS-Formoterol-Kombination inhaliert werden. Häufige Beschwerden beim Sport deutet sie als Zeichen eines nicht ausreichend kontrollierten Asthmas, dann wird die Langzeittherapie gesteigert.

Wie gut das funktioniert, zeigt eine randomisierte Studie mit 66 Asthmatikern (Lazarinis et al., 2014). Nach sechs Wochen sank der FEV1-Abfall unter Budesonid-Formoterol bei Bedarf um 5,4 Prozentpunkte, unter täglichem Budesonid um 6,6. Das reine Bedarfsspray mit Terbutalin änderte nichts. Die Kombigruppe kam dabei mit etwa 2,5-mal weniger Kortison aus. Als Alternativen nennt die ATS-Leitlinie Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten oder Mastzellstabilisatoren.

Brauchst du dein Spray auch außerhalb des Sports regelmäßig, oder reicht es vor harten Einheiten nicht mehr, ist das ein Warnsignal. Dann helfen nicht mehr Hübe, sondern ein Arzttermin.

Asthmaspray im Wettkampf: was die WADA 2026 erlaubt

Inhalierte Beta-2-Mimetika stehen auf der Verbotsliste, vier Wirkstoffe sind aber bis zu festen Grenzen ohne Therapeutische Ausnahmegenehmigung (TUE) erlaubt. Stand der WADA-Verbotsliste 2026:

  • Salbutamol: höchstens 1.600 µg in 24 Stunden, dabei nicht mehr als 600 µg in 8 Stunden
  • Formoterol: höchstens 54 µg in 24 Stunden, nicht mehr als 36 µg in 12 Stunden
  • Salmeterol: höchstens 200 µg in 24 Stunden, seit 2026 zusätzlich nicht mehr als 100 µg in 8 Stunden
  • Vilanterol: höchstens 25 µg in 24 Stunden

Inhaliertes Kortison ist erlaubt. Kortison als Tablette, Zäpfchen oder Spritze ist im Wettkampf verboten und braucht eine TUE, ebenso jedes andere Beta-2-Mimetikum. Dazu kommen Grenzwerte im Urin, etwa für Salbutamol und Formoterol. Wer darüber liegt, muss nachweisen, dass eine erlaubte Dosis dahintersteckt (Allen et al., 2019).

600 Mikrogramm in acht Stunden klingen abstrakt. Bei einem üblichen Dosieraerosol mit 100 Mikrogramm pro Hub sind das sechs Hübe. Das ist eine Obergrenze der Anti-Doping-Regeln, keine Dosierempfehlung. Hostrup und Kollegen (2024) weisen auf das Risiko hin, diese Grenzen versehentlich zu überschreiten. Denkbar ist das an einem langen Wettkampftag mit mehreren Hüben gegen Beschwerden. Lass deine Diagnose und Verordnung schriftlich dokumentieren und prüf die Verbotsliste vor jeder Saison bei der NADA. Sie ändert sich jedes Jahr. Für Altersklassen-Athleten auf nationaler Ebene regelt die NADA, ob und wann eine TUE nötig ist.

Ist Belastungsasthma heilbar?

Das hängt davon ab, was dahintersteckt. Ein Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung, die sich mit Therapie meist gut kontrollieren lässt. Die Nationale VersorgungsLeitlinie hält fest, dass sich Beschwerden beim Sport in der Regel beseitigen lassen, wenn die Langzeittherapie passt. Weg ist das Asthma damit nicht, im Training spürst du es dann aber kaum noch.

Belastungsasthma ohne Asthma, wie es bei Leistungssportlern häufig vorkommt, ist zum Teil umkehrbar. Eine finnische Studie hat 42 Leistungsschwimmer fünf Jahre lang begleitet (Helenius et al., 2002). Bei denen, die mit dem Leistungssport aufhörten, fiel der Anteil mit Asthma von 23 auf 4 Prozent. Bei denen, die weiterschwammen, stieg er von 31 auf 44 Prozent. Die Gruppe ist klein und bestand nur aus Schwimmern. Das Muster ist trotzdem deutlich: Sinkt der Reiz, erholen sich die Atemwege.

Aufhören ist für Altersklassen-Athleten trotzdem keine Lösung. Hostrup und Kollegen (2024) betonen, dass eine unbehandelte Entzündung die Schleimhaut auf Dauer schädigen und die Atemwege umbauen kann. Der bessere Weg heißt Reize senken und Entzündung behandeln, statt den Husten jahrelang wegzuatmen.

Laufen und Ausdauersport mit Asthma

Darf man mit Asthma Sport machen? Ja, und die Leitlinien wollen das ausdrücklich. Ein Cochrane-Review mit 21 Studien und 772 Teilnehmern (Carson et al., 2013) fand, dass Ausdauertraining bei Asthma gut vertragen wird. Die maximale Sauerstoffaufnahme stieg im Mittel um 4,9 ml/kg/min, keine Studie berichtete eine Verschlechterung des Asthmas. Für eine Läuferin mit 40 ml/kg/min ist das ein Plus von gut zwölf Prozent. Gefährlich ist nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie nicht der Sport, sondern ein nicht kontrolliertes Asthma.

Auf höchstem Niveau ist Asthma ebenfalls kein Ausschlussgrund. Hostrup und Kollegen (2024) beschreiben, dass gut behandelte Athleten mit Asthma und Belastungsasthma in der Weltspitze mithalten. Wenn du mit Asthma läufst, Rad fährst oder schwimmst, haben sich diese Gewohnheiten bewährt:

  • Das verordnete Spray immer dabei haben, auch im Wettkampf und auf langen Radausfahrten
  • Vor harten Einheiten intensiv und variabel aufwärmen
  • Bei Frost und schlechter Luft die Intensität rausnehmen oder nach drinnen gehen
  • Im Freiwasser nie allein schwimmen, Asthma gilt als Risikofaktor für SIPE

Und wenn du bisher nur einen Verdacht hast: Notier drei Wochen lang, nach welchen Einheiten du hustest oder pfeifst, und mach dann einen Termin mit Belastungstest. Das kostet einen Vormittag und erspart dir im besten Fall eine Saison, in der du deine Atemwege für fehlende Form hältst.