Das Wichtigste in Kürze

  • Paddles verändern deinen Zug sofort, ob sie dich ohne Paddles schneller machen, ist kaum belegt. Die einzige randomisierte Trainingsstudie fand nach vier Wochen keinen Unterschied (Barbosa 2020). Als Kraft- und Technikreiz sind Paddles bedingt sinnvoll, als Leistungshebel unbelegt.
  • Mit Paddles werden die Züge länger und die Frequenz sinkt. Mit den größten getesteten Paddles stieg die Zuglänge um 14,8 Prozent, die Frequenz fiel um 9,5 Prozent (Barbosa 2013).
  • Die Meta-Analyse von Espinosa und León-Ariza (2026) zeigt mehr Kraft an der Hand. Auch die maximale Sauerstoffaufnahme stieg mit Paddles. Flossen brachten mehr Tempo als Paddles.
  • Größer bringt immer weniger. Das größte Paddle in einer Studie mit 26 Schwimmern erhöhte die Energiekosten pro Zug über den Wert ohne Paddles (Crocker 2021).
  • Ob Paddles die Schulter schädigen, hat niemand gemessen. Ein Review rät bei Beschwerden davon ab, eine Befragung von 187 College-Schwimmern fand keinen Zusammenhang.

Handpaddles vergrößern die Zugfläche der Hand. Studien zeigen akut längere Züge, eine niedrigere Zugfrequenz, mehr Kraft an der Hand und 2 bis 4 Prozent mehr Tempo. Ob Paddle-Training das Schwimmen ohne Paddles verbessert, ist kaum belegt: Die einzige randomisierte Studie fand nach vier Wochen keinen Effekt.

Was Paddles im Training leisten sollen

Kaum ein Hilfsmittel liegt so selbstverständlich am Beckenrand. Eine flache Kunststoffplatte, zwei Gummischlaufen, fertig. In den Studien reichen die Größen von 116 bis 552 Quadratzentimetern pro Hand, das ist fast das Fünffache.

Die Versprechen klingen alle nach mehr. Mehr Kraft im Zug, mehr Gefühl für den Catch, längere Züge, bessere Zeiten im Wettkampf. Manche Trainer nennen Paddles „Krafttraining im Wasser“.

Die Physik ist schnell erklärt. Mehr Fläche drückt pro Zug mehr Wasser nach hinten. Die Hand bekommt mehr Widerstand, also muss die Muskulatur mehr Kraft aufbringen, um sie durchzuziehen. Dass du mit Paddles schneller bist, folgt daraus fast zwangsläufig.

Wer die Pull-Serie mit Paddles als Leistungstest liest, misst also die Platte mit. Die spannendere Frage beginnt erst danach.

Was die Meta-Analysen zeigen

Espinosa und León-Ariza (2026) haben bis November 2023 drei Datenbanken nach Experimenten mit Schwimmhilfen durchsucht. Am Ende standen 20 Studien mit 220 Teilnehmenden in Kraul, Delfin und Rücken. Für Paddles berichten sie zwei Befunde: Die Kraft an der Hand steigt, und die maximale Sauerstoffaufnahme ebenfalls. Alle Hilfsmittel senkten die Zugfrequenz, das Grundmuster der Armkoordination blieb erhalten.

Beim Tempo lagen Paddles hinter Flossen. Mehr dazu, was Flossen im Wasser verändern, steht in unserem Artikel zum Training mit Schwimmflossen.

Das sind Aussagen über den Moment, in dem die Paddles an der Hand sind. Was über Wochen passiert, hat eine zweite Meta-Analyse angeschaut. Jin und Kollegen (2024) haben 13 Trainingsstudien mit 267 Wettkampfschwimmern ausgewertet. Krafttraining insgesamt verbesserte die Kraulzeiten über 25 bis 200 Meter, und zwar eher über eine höhere Zugfrequenz als über längere Züge.

Der Haken für Paddles: In der Untergruppe Widerstandstraining im Wasser, also mit Paddles, Bremsschirm oder Zugband, fanden die Autoren weder bei der Kraft noch bei der Leistung einen signifikanten Gewinn gegenüber normalem Schwimmtraining. Signifikant wirkten nur kombiniertes Training an Land und im Wasser sowie Schnellkrafttraining. Für Altersklassenschwimmer ist das eine ernüchternde Nachricht. Die Wettkampfschwimmer in diesen Studien trainierten deutlich mehr als du.

Längere Züge, weniger Frequenz

Am genauesten hat die Gruppe um Augusto Barbosa den Moment vermessen. 2013 schwammen 14 Männer, 100-Meter-Bestzeit um 54 Sekunden, je zweimal 25 Meter allout: ohne Paddles und mit vier Größen von 280 bis 552 Quadratzentimetern. Dazu kamen Zugversuche am Seil, das sogenannte Tethered Swimming.

Unterwasseraufnahme eines Schwimmers beim Kraulzug mit einem schlichten, türkisfarbenen Handpaddle, Luftblasen am Rand der Platte, im Hintergrund die Bahnmarkierung am Beckenboden
Die Platte vergrößert die Fläche, mit der die Hand gegen das Wasser drückt. Die Hand selbst wird dabei langsamer.

Ab der mittleren Größe änderte sich der Zug deutlich. Das Tempo stieg um 2,2 bis 3,7 Prozent, die Zuglänge um 9 bis knapp 15 Prozent. Die Frequenz sank um 5,5 bis 9,5 Prozent. Am Seil wuchs die Spitzenkraft mit den größten Paddles um gut ein Fünftel.

Mit Paddles wird der Zug länger und langsamer

mittel, 352 cm² groß, 462 cm² sehr groß, 552 cm² Veränderung in Prozent +15 +10 +5 0 −5 −10 +2,2 +3,2 +3,7 Tempo +9,0 +9,0 +14,8 Zuglänge −6,2 −5,5 −9,5 Zugfrequenz
14 Schwimmer, je zweimal 25 Meter Kraul allout, Veränderung gegenüber dem Schwimmen ohne Paddles. Die kleinste getestete Größe (280 cm²) veränderte die Werte nicht signifikant. Quelle: Barbosa et al. 2013.

Was heißt das im Becken? Wer ohne Paddles 1:40 auf 100 Meter schwimmt, wäre mit 3 Prozent mehr Tempo bei etwa 1:37. Drei Sekunden. Der Zug selbst fühlt sich viel größer an, als die Uhr es zeigt.

López-Plaza und Kollegen (2012) haben dasselbe über 100 Meter bei neun Elite-Schwimmern geprüft. Auf der ersten Bahn wuchs die Zuglänge von 2,10 auf 2,29 Meter mit großen Paddles, das Tempo stieg erst auf der zweiten Hälfte signifikant. Die Frequenz zeigte nur einen leichten Trend nach unten.

Und die Technik? Gourgoulis und Kollegen (2008) filmten zehn Schwimmerinnen mit vier Kameras. Anstellwinkel und Bahn der Hand blieben mit Paddles gleich, nur die Hand wurde in Zug- und Druckphase langsamer. In einer zweiten Auswertung derselben Gruppe stiegen mit Paddles die Kräfte an der Hand und der Vortriebswirkungsgrad, das Verhältnis von Auftriebs- und Widerstandskraft blieb gleich. Die Autoren selbst bremsen die Begeisterung: Die deutlich niedrigere Zugfrequenz mit großen Paddles stelle den Nutzen des Trainings infrage. Im Wettkampf brauchst du Frequenz, keine Zeitlupe.

Vier Wochen Paddles, kein messbarer Unterschied

Akute Tests sagen dir, was im Wasser passiert. Ob der Körper sich daran anpasst, beantwortet nur eine Trainingsstudie. Für Paddles gibt es genau eine randomisierte.

Barbosa und Kollegen (2020) teilten 20 Schwimmer, zehn Männer und zehn Frauen, in zwei Gruppen. Beide trainierten vier Wochen gleich, mit einer Ausnahme: Dreimal pro Woche stand eine Sprintserie von 10 × 10 Zügen allout mit einer Minute Pause an. Die eine Gruppe schwamm sie mit Paddles von 320 Quadratzentimetern, die andere ohne. Danach folgten zwei Wochen Tapering.

Das Ergebnis ist kurz. Wettkampfleistung, Tempo, Zugfrequenz, Zuglänge und Kraft am Seil veränderten sich in keiner Messung, weder nach vier Wochen noch nach dem Tapering. Auch die empfundene Anstrengung unterschied sich nicht. Die Autoren schreiben, der Einsatz von Paddles bleibe für diesen Zeitraum ohne Beleg.

Drei schlichte gelochte Handpaddles in Grau, Hellblau und Türkis, von klein nach groß auf einer hellen Holzbank am Beckenrand aufgereiht, daneben ein gefaltetes Handtuch
Paddles gibt es in vielen Größen. Die Studien zeigen, dass mehr Fläche nicht unbegrenzt mehr bringt.

Vier Wochen sind kurz, 20 Leute sind wenige. Ein Nulleffekt in so einer Studie beweist nicht, dass Paddles nichts bringen. Er zeigt aber, dass der Gewinn, falls es einen gibt, nicht groß genug ist, um in dieser Zeit aufzufallen. Jin und Kollegen erwähnen in ihrer Meta-Analyse Studien, in denen Widerstandstraining im Wasser erst ab mehr als 30 Einheiten wirkte. Ob das für Paddles allein gilt, bleibt dort offen.

Bleibt die Größe. Crocker und Kollegen (2021) ließen 26 geübte Schwimmer im Strömungskanal bei konstant 1:38 auf 100 Meter kraulen, ohne Paddles und mit fünf Größen von 201 bis 391 Quadratzentimetern. Mit jeder Stufe sanken Energiekosten pro Meter, Herzfrequenz und Sauerstoffaufnahme. Der Gewinn wurde allerdings mit jeder Größe kleiner. Das größte Paddle kostete pro Zug sogar mehr Energie als die bloße Hand. Die Autoren sehen eine günstige Spanne bei etwa 210 bis 358 Quadratzentimetern. Wer beim lockeren Pull mit Paddles entspannter schwimmt, trainiert also womöglich weniger, als er denkt.

Belasten Paddles die Schulter? Zwei Lesarten

Kaum eine Frage zu Paddles kommt so oft. Die Studienlage dazu ist dünner, als die Gewissheit am Beckenrand vermuten lässt.

Die vorsichtige Seite: Wanivenhaus und Kollegen (2012) fassen in einem Übersichtsartikel zu Verletzungen im Leistungsschwimmen zusammen, dass Paddles und Pull-Serien die Schulter zusätzlich belasten. Bei einer gereizten Schulter raten sie davon ab. Die Logik dahinter ist dieselbe wie oben: mehr Fläche, mehr Widerstand, mehr Kraft im Schultergelenk, oft bei pausierenden Beinen. Unser Artikel zur Schwimmerschulter folgt dieser Linie.

Die andere Seite: Wymore und Kollegen (2012) haben 187 Männer aus elf Top-College-Teams befragt. Am häufigsten gaben sie an, in 20 bis 40 Prozent ihres Trainings mit Paddles zu schwimmen. Weder die Ausrüstung noch Umfang, Krafttraining oder Dehnen hingen in dieser Befragung signifikant mit Schulterschmerz zusammen.

Beide Aussagen stehen auf wackligen Beinen. Ein narrativer Review ist Expertenmeinung mit Literatur, eine Querschnittsbefragung kann Ursache und Wirkung nicht trennen. Wer schon Schmerzen hat, lässt die Paddles vielleicht längst weg, und dann verschwindet ein Zusammenhang in den Daten. Eine Studie, die Schwimmer mit und ohne Paddles über eine Saison verfolgt, gibt es nicht. Für Altersklassenschwimmer mit 6 bis 10 Kilometern pro Woche fehlen Daten ganz.

Was die Evidenz für dein Training hergibt

Zuerst die Grenzen. Alle Studien hier arbeiten mit trainierten, meist jungen Wettkampfschwimmern und kleinen Gruppen von 8 bis 26 Personen. Triathleten, die mit 35 das Kraulen gelernt haben, tauchen nicht auf.

Was die Daten tragen: Mit Paddles schwimmst du schneller, mit längerem Zug und mehr Kraft an der Hand. Die Bewegung der Hand bleibt dabei nahezu gleich. Das macht Paddles zu einem plausiblen Werkzeug, wenn eine Einheit gezielt Kraft in den Zug bringen soll. Wie du den Zug selbst sauber aufbaust, steht im Artikel zur Kraultechnik und Wasserlage.

Was die Daten nicht tragen: die Annahme, dass Paddle-Serien dich im Wettkampf schneller machen. Die eine Trainingsstudie fand nichts, die Meta-Analyse zu Krafttraining fand für Widerstand im Wasser nichts Signifikantes. Wer mehr Kraft im Wasser will, findet in der Studienlage stärkere Argumente für Krafttraining an Land, wie unser Artikel zum Krafttraining für Schwimmer zeigt.

Für Triathleten kommt ein zweiter Punkt dazu. Im Rennen zählt eine Frequenz, die du über 1,9 oder 3,8 Kilometer halten kannst. Paddles drücken die Frequenz nach unten. Strukturierte Serien im eigenen Schwellentempo, etwa CSS-Intervalle, trainieren näher an dem, was du im See brauchst.

Unser Urteil: Als Kraft- und Technikreiz sind Paddles bedingt sinnvoll. Als Leistungshebel sind sie unbelegt, und ihr Einfluss auf die Schulter ist schlicht nicht untersucht.