Tibialis-posterior-Tendinopathie: Innenknöchel- und Fußschmerz beim Laufen (PCFD)
Es zieht hinter dem Innenknöchel und das Längsgewölbe sackt mit der Zeit ab. Warum diese mediale Sehne überlastet, wie du das Problem von Achillessehne, Peroneus, Shin Splints und Plantarfasziitis abgrenzt, wie der Single-Heel-Rise es aufdeckt und wie du mit Krafttraining und Gewölbe-Stütze zurückkommst.
Das Wichtigste in Kürze
Die Tibialis-posterior-Tendinopathie ist eine Überlastung der medialen Sehne hinter dem Innenknöchel, die dein inneres Längsgewölbe stützt. Sie macht Schmerz und Schwellung innen am Knöchel und lässt das Gewölbe mit der Zeit absinken.
Sie ist eine eigenständige Diagnose. Achillessehnen-Schmerz sitzt hinten, Peroneus-Schmerz außen, Shin Splints an der Schienbeinkante, Plantarfasziitis unter der Ferse. Die Tibialis posterior sitzt medial, hinter dem Innenknöchel, plus absinkendes Gewölbe.
Seit 2020 heißt das Krankheitsbild PCFD (Progressive Collapsing Foot Deformity), also fortschreitend kollabierender Fuß. Die alten Namen PTTD und erworbener Plattfuß sind darin aufgegangen (Myerson et al. 2020).
Der wichtigste Selbsttest ist der Single-Heel-Rise. Schaffst du auf einem Bein keinen sauberen Zehenstand mehr und dreht die Ferse dabei nicht nach innen, ist das ein starkes Warnsignal für die Stufe 2 (Arain et al. 2024).
Erste Wahl ist konservativ: dosiertes Krafttraining plus Einlagen mit echter Längsgewölbe-Stütze. In der frühen Tendinopathie verschwinden die Beschwerden so in rund 87 Prozent der Fälle ohne Operation (Arain et al. 2024).
Wenn es beim Laufen hinter dem Innenknöchel zieht und dein Gewölbe über die Monate flacher geworden ist, steckt sehr wahrscheinlich eine Tibialis-posterior-Tendinopathie dahinter. Das ist eine Reizung der Sehne, die hinter dem Innenknöchel nach unten läuft und das innere Längsgewölbe stützt. Typisch sind Schmerz und Schwellung innen am Knöchel, ein absinkendes Gewölbe und ein wackliger Zehenstand auf einem Bein. Sie gilt als Frühform des kollabierenden Fußes und wird früh konservativ mit Krafttraining und Gewölbe-Stützen behandelt.
Der Musculus tibialis posterior sitzt tief in der Wade, läuft hinter dem Innenknöchel nach unten und setzt fächerförmig am Kahnbein (Os naviculare) und an mehreren Mittelfußknochen an. Diese Sehne ist der wichtigste Inversor deines Fußes, also der Muskel, der den Fuß nach innen kippt und dabei vor allem dein inneres Längsgewölbe aufspannt und stabilisiert.
Was diese Sehne den ganzen Tag tut
Bei jedem Laufschritt, in dem du dich über den Vorfuß abstößt, hält sie das Gewölbe und verriegelt den Mittelfuß, damit der Fuß zum stabilen Hebel wird. Fällt sie aus, sackt das Gewölbe nach innen und die Ferse kippt nach außen. Genau hier liegt der Unterschied zu den Nachbar-Diagnosen, mit denen sie ständig verwechselt wird. Der Schmerz sitzt medial, also an der Innenseite, direkt hinter und unter dem Innenknöchel. Das ist eine klar andere Stelle als die Achillessehnen-Tendinopathie (mittig hinten an der Ferse), die Peroneus-Tendinopathie (lateral, an der Außenseite des Knöchels), die Shin Splints (entlang der inneren Schienbeinkante, weiter oben) und die Plantarfasziitis (unter der Ferse, an der Fußsohle).
Wer den Schmerz mit dem Finger genau hinter dem Innenknöchel nachfahren kann und dabei merkt, dass das Gewölbe tiefer wirkt als am gesunden Fuß, ist sehr wahrscheinlich bei der Tibialis posterior. Diese Abgrenzung ist wichtig, weil sich die Behandlung am Ort und an der Funktion orientiert: Hier geht es um die Sehne, die das Gewölbe innen hält, nicht um eine Struktur außen oder unter der Ferse.
PCFD: warum aus PTTD ein neuer, treffenderer Name wurde
Lange hieß das Krankheitsbild Posterior Tibial Tendon Dysfunction (PTTD) oder erworbener Knick-Senkfuß (Adult Acquired Flatfoot Deformity, AAFD). Das Problem: Diese Namen rückten allein die Sehne in den Mittelpunkt, obwohl an der Fehlstellung Bänder, Gelenkkapseln und am Ende die Knochenstellung selbst mitbeteiligt sind. 2020 hat eine internationale Konsensgruppe um Mark Myerson, David Thordarson und Jeffrey Johnson die Begriffe deshalb unter einem neuen Dach zusammengefasst: PCFD, Progressive Collapsing Foot Deformity, übersetzt etwa fortschreitend kollabierender Fuß. Der Name betont zwei Dinge, die für dich praktisch wichtig sind. Erstens ist es eine dreidimensionale Fehlstellung mit Rückfuß-Valgus, Vorfuß-Abduktion und Mittelfuß-Varus, nicht nur eine gereizte Sehne. Zweitens steckt das Wort progressiv drin: ohne Gegenmaßnahmen schreitet die Sache voran.
Für die Praxis hilft die alte, einfache Stufeneinteilung trotzdem weiter. In Stufe 1 ist die Sehne gereizt und entzündet, das Gewölbe steht aber noch und du schaffst den einbeinigen Zehenstand. In Stufe 2 sackt das Gewölbe ab, der Fuß ist noch beweglich (flexibel), aber der einbeinige Zehenstand gelingt nicht mehr sauber. Stufe 2 wird oft weiter unterteilt, je nachdem wie weit der Vorfuß bereits nach außen wandert (das sogenannte Too-many-toes-Zeichen, bei dem man von hinten zu viele Zehen seitlich sieht). In Stufe 3 ist die Fehlstellung steif (rigide) und das untere Sprunggelenk arthrotisch verändert, in Stufe 4 kippt zusätzlich das obere Sprunggelenk.
Vom gereizten Tendon zum kollabierenden Fuß: die Stufen
Der kollabierende Fuß (PCFD) schreitet ohne Gegenmaßnahmen voran. Die orange Linie markiert die entscheidende Grenze: Versagt der einbeinige Zehenstand (Single-Heel-Rise), beginnt Stufe 2. Ziel ist, in Stufe 1 oder früher Stufe 2 zu erkennen und gegenzusteuern. Schema nach Arain et al. (2024) und Myerson et al. (2020).
Für dich als Läufer:in heißt das vor allem eines: Du willst in Stufe 1 oder früher Stufe 2 erkennen und gegensteuern, weil die frühen Stufen konservativ gut behandelbar sind und die späten oft nur noch operativ. Genau diese Grenze prüfst du mit einem einfachen Test, den du selbst machen kannst.
So erkennst du es: Symptome und der Single-Heel-Rise
Die typische Geschichte ist schleichend. Erst zwickt es nach längeren Läufen innen am Knöchel, dann auch im Alltag. Oft schwillt die Stelle hinter dem Innenknöchel leicht an und ist druckempfindlich. Viele berichten, dass das Gewölbe über Monate flacher geworden ist und alte Schuhe innen stärker abgelaufen sind. Wer genau hinschaut, sieht von hinten, dass die Ferse des betroffenen Fußes weiter nach außen kippt als die gesunde.
Der aussagekräftigste Selbsttest ist der Single-Heel-Rise, der einbeinige Zehenstand. Stell dich mit leichter Fingerstütze an einer Wand auf das betroffene Bein und versuche, dich auf den Vorfuß zu drücken, also die Ferse vom Boden zu heben. Achte auf zwei Dinge: Schaffst du die volle Höhe überhaupt, und dreht sich die Ferse dabei nach innen (Inversion)? Bei einer intakten Tibialis posterior hebt die Ferse hoch und kippt sauber nach innen. Bei einer relevanten Tendinopathie gelingt der Zehenstand schwach, gar nicht oder schmerzhaft, und die Ferse bleibt in Valgusstellung.
Genau dieses Versagen markiert in der klassischen Einteilung den Übergang in Stufe 2. Ein einzelner Test ersetzt keine Diagnose, aber zusammen mit dem typischen Schmerzpunkt hinter dem Innenknöchel und einem sichtbar abgesunkenen Gewölbe ist er ein sehr starker Hinweis. Im Zweifel, und besonders wenn der Zehenstand gar nicht mehr klappt oder die Fehlstellung steif wirkt, gehört das ärztlich abgeklärt, oft mit Ultraschall oder MRT. Wie schnell du nach einer Reizung den Umfang wieder aufbauen darfst, ohne die Sehne zu überfordern, behandeln wir im Artikel zur 10-Prozent-Regel.
Reha: dosiertes Krafttraining ist die erste Wahl
Wie bei fast allen Sehnen-Tendinopathien ist das wirksamste Mittel kein Medikament, sondern dosierte Belastung der Sehne selbst. Eine lebende systematische Übersicht mit Netzwerk-Meta-Analyse zu Tendinopathien der unteren Extremität (Challoumas et al. 2023) kommt klar zu dem Schluss, dass Belastungstraining als Monotherapie erste Wahl ist und mindestens drei Monate laufen sollte, bevor man Zusätze wie Stoßwelle oder Spritzen überhaupt erwägt. Keiner dieser Zusätze war dem Training allein überlegen.
Die Kernübung für die Innenseite: Inversion gegen Widerstand. Das Band um den inneren Vorfuß, den Fuß langsam nach innen drehen und betont langsam zurück. Die Last steigerst du über Wochen, indem du das Band straffer machst.
Für die Tibialis posterior heißt das konkret: Trainiere vor allem die Inversion gegen Widerstand, also das Einwärtsdrehen des Fußes, zum Beispiel mit einem Theraband um den inneren Vorfuß. Du ziehst den Fuß langsam nach innen und lässt ihn betont langsam und kontrolliert wieder zurück. Dazu kommen Wadenheber mit Betonung der inneren Fußkante (Ferse beim Hochdrücken nach innen drehen) und, wenn der einbeinige Zehenstand wieder gelingt, einbeinige Varianten. Speziell für diese Sehne war die exzentrische Phase, also das langsame Nachlassen unter Last, in mehreren Untersuchungen besonders wirksam. In einer randomisierten kontrollierten Studie mit 36 Betroffenen verbesserten sich alle, die Einlagen trugen und dehnten, aber die größte Verbesserung bei Schmerz und Funktion zeigten die Gruppen mit progressivem Krafttraining, am stärksten die mit exzentrischen Übungen (Kulig et al. 2009).
Wie stark Krafttraining gegen Sehnenschmerz wirkt, zeigt eine Meta-Analyse zu Effektstärken (Swinton et al. 2023): Ein mittlerer Effekt auf den Schmerz liegt bei einer standardisierten Differenz von rund 0,94, ein großer bei etwa 1,45. Das ist eine Größenordnung, die du im Alltag deutlich spürst. Ein bisschen Schmerz während der Übung, etwa bis 3 von 10, ist erlaubt, solange er nach der Einheit wieder abklingt und am nächsten Morgen nicht schlimmer ist. Die Last steigerst du über Wochen, indem du das Band straffer machst oder Wiederholungen und Sätze erhöhst.
Was Krafttraining gegen Sehnenschmerz bringt (Effektstärke)
Trainingstherapie wirkt: Die Schwellen für eine kleine, mittlere und große Schmerzlinderung bei Sehnen-Tendinopathien liegen bei einer standardisierten Differenz von rund 0,53, 0,94 und 1,45 (Swinton et al. 2023). Gute Programme erreichen den mittleren bis großen Bereich, also einen im Alltag spürbaren Unterschied.
Beispiel-Einheit
Progressives Krafttraining für die Innenseite
3–4× pro Wocheüber mehrere MonateSchmerz bis 3/10
Inversion gegen Widerstand: Theraband um den inneren Vorfuß, Fuß langsam nach innen drehen und betont langsam zurück, 3 Sätze à 12–15 Wiederholungen.
Wadenheber mit innerer Betonung: langsam hoch, Ferse dabei nach innen drehen, kontrolliert ab, 3 Sätze à 10–15 Wiederholungen, später einbeinig.
Balance auf einem Bein: 3× 30–45 s, das Gewölbe aktiv aufspannen, später instabiler Untergrund, trainiert die Sehne als Gewölbe-Stütze.
Last steigern: alle ein bis zwei Wochen Band straffer, Gewicht höher oder Wiederholungen mehr, solange der Morgen-Schmerz nicht zunimmt.
Beispielhafte Orientierung aus der zitierten Evidenz, kein individueller Behandlungsplan. Steige vorsichtig ein und lass einen einbeinigen Zehenstand, der gar nicht mehr klappt, eine steif wirkende Fehlstellung oder Schmerz, der trotz Entlastung über Wochen bleibt, ärztlich abklären, bevor du weiter belastest.
Orthesen, Einlagen und Medial-Support
Das Krafttraining baut die Sehne wieder auf, aber während sie das tut, willst du sie entlasten. Genau das leisten Einlagen und Orthesen mit echter Stütze des inneren Längsgewölbes. Eine systematische Übersicht zu Stufe 1 und 2 (Gómez-Jurado et al. 2021) fand, dass Einlagen den Schmerz in den frühen Stufen reduzieren können, dass Einlagen mit individueller, innen anmodellierter Längsgewölbe-Stütze flachen Standard-Einlagen überlegen waren, und vor allem, dass Einlagen zusammen mit einem Übungsprogramm besser wirken als Einlagen allein. Die beiden Bausteine ergänzen sich also, statt sich zu ersetzen.
Eine Einlage mit aufgebauter innerer Längsgewölbe-Stütze nimmt der gereizten Tibialis posterior Last ab, während das Krafttraining sie wieder belastbar macht. Individuell anmodellierte Stützen wirken besser als flache Standard-Einlagen.
Welche Hilfe wie stark stützt, hängt von der Stufe ab. In Stufe 1 reicht oft eine konfektionierte oder maßgefertigte Einlage mit medialer Gewölbe- und Fersenführung. Wird der Fuß instabiler, kommen festere Orthesen bis hin zu einer knöchelübergreifenden Schiene (AFO) oder kurzfristig ein Walker-Stiefel infrage, um die Sehne in der Reizphase ruhigzustellen. Akut gilt dabei relative Ruhe statt komplettem Stopp: Reduziere Tempo, Umfang und Untergründe, die wehtun, aber halte das Bein in Bewegung. Schmerzmittel maskieren nur das Signal und gehören höchstens kurz und überlegt dazu.
Die gute Nachricht aus der Praxis: Mit konsequenter konservativer Behandlung, also Einlagen plus Physiotherapie und gegebenenfalls kurzzeitiger Entzündungshemmung, klingen die Beschwerden in der frühen Tendinopathie in rund 87 Prozent der Fälle ab, ohne dass operiert werden muss (Arain et al. 2024). Plane dafür Monate ein, nicht Wochen. Wer nach zwei schmerzfreien Tagen zurück in den vollen Umfang springt, landet fast sicher wieder am Anfang. Wer die Innenseite und das absinkende Gewölbe dagegen früh ernst nimmt, fängt eine reversible Reizung ab, bevor daraus eine steife Fehlstellung wird. Wer grundsätzlich an einer stabilen Kette von Hüfte bis Fuß arbeiten will, findet im Artikel zur Stabilität im Ausdauersport die passende Grundlage.
Innen statt überall
Schmerz hinter dem Innenknöchel plus absinkendes Gewölbe grenzt die Tibialis posterior klar von Achillessehne, Peroneus, Shin Splints und Plantarfasziitis ab.
Heel-Rise testen
Einbeiniger Zehenstand. Gelingt er nicht mehr und kippt die Ferse nicht nach innen, ist das ein starkes Warnsignal für Stufe 2.
Früh erkennen
In Stufe 1 oder früher Stufe 2 ist der Fuß noch flexibel und konservativ gut behandelbar. Späte, steife Stufen brauchen oft eine Operation.
Sehne belasten
Progressives Krafttraining ist erste Wahl. Inversion gegen Band, Wadenheber mit innerer Betonung, Balance, über Wochen steigern.
Gewölbe stützen
Einlagen mit individueller Längsgewölbe-Stütze nehmen Last ab. Zusammen mit Übungen wirken sie besser als Einlagen allein.
Monate einplanen
Lasttraining gilt mindestens drei Monate als Hauptbehandlung. Wer zu früh zurückspringt, landet wieder am Anfang.
Wie dich das strongerlab Coaching bei Schmerz an der Innenseite unterstützt
Eine Tibialis-posterior-Tendinopathie loszuwerden heißt selten, einfach ein paar Wochen zu pausieren. Es geht darum,
Trainingslast, gezieltes Krafttraining für die Innenseite, eine passende Gewölbe-Stütze und einen klugen Wiedereinstieg
zur richtigen Zeit zusammenzubringen, ohne dass dein Training komplett zum Erliegen kommt. Im strongerlab Coaching schauen wir
gemeinsam, woher die Überlastung der Sehne kommt und an welchen Stellschrauben du wirklich drehen musst.
Wir fokussieren uns auf deine Trainingsplanung und berücksichtigen dabei dein aktuelles Leistungsniveau,
deine Saisonziele und die realistischen Zeitfenster, die dir zur Verfügung stehen.
So entsteht ein Programm, das die Laufbelastung sauber dosiert, die Sehne progressiv stärkt und dich
Schritt für Schritt zurück ins volle Training bringt.
✓Last dosieren statt komplett pausieren
✓Progressives Krafttraining für die Innenseite
✓Stoßarmes Cross-Training in der akuten Phase
✓Strukturierter, schmerzarmer Wiedereinstieg ins Laufen
Empfehlung von strongerlab. Wenn deine Innenseite beim Laufen immer wieder zieht oder dein Gewölbe spürbar absinkt,
hilft dir ein strukturiertes Programm, die richtigen Reize zur richtigen Zeit zu setzen.
1
Status-Quo Analyse
Wir starten mit einem Überblick über deine Beschwerden, dein aktuelles Training und deine Ziele.
So finden wir heraus, woher die Überlastung der Tibialis posterior wirklich kommt.
2
Strukturiertes Trainingsprogramm
Auf Basis deines Profils erstellen wir ein Programm aus dosierter Laufbelastung, progressivem
Krafttraining und Cross-Training, das dich schmerzarm aus dem Schmerz an der Innenseite herausführt.
3
Anpassung bei Bedarf
Beschwerden verändern sich, Ziele verschieben sich. Wenn der Schmerz nachlässt oder ein Wettkampf
näher rückt, passen wir dein Programm an, damit du langfristig stabil bleibst.
Eine Tibialis-posterior-Tendinopathie ist eine Überlastung der Sehne, die hinter dem Innenknöchel nach unten läuft und das innere Längsgewölbe des Fußes stützt. Typisch sind Schmerz und Schwellung hinter dem Innenknöchel, ein flacher werdendes Gewölbe und ein wackliger Zehenstand auf einem Bein. Sie gilt als Frühform des fortschreitend kollabierenden Fußes (PCFD).
Was bedeutet PCFD und warum hat es PTTD ersetzt?
PCFD steht für Progressive Collapsing Foot Deformity, also fortschreitend kollabierender Fuß. 2020 hat eine internationale Konsensgruppe um Myerson die alten Begriffe PTTD (Posterior Tibial Tendon Dysfunction) und erworbenen Plattfuß unter diesem Namen zusammengefasst. Er betont, dass es nicht nur um die Sehne geht, sondern um eine dreidimensionale Fehlstellung, die ohne Gegenmaßnahmen voranschreitet.
Wie unterscheide ich die Tibialis posterior von Achillessehne, Peroneus, Shin Splints und Plantarfasziitis?
Über den Schmerzort. Die Tibialis posterior sitzt medial, hinter und unter dem Innenknöchel, und geht mit einem absinkenden Längsgewölbe einher. Die Achillessehne schmerzt hinten oberhalb der Ferse, die Peroneussehnen außen hinter dem Außenknöchel, Shin Splints an der Schienbeinkante und die Plantarfasziitis unter der Ferse an der Fußsohle. Wenn du den Schmerz hinter dem Innenknöchel nachfahren kannst und das Gewölbe tiefer wirkt als am gesunden Fuß, spricht das für die Tibialis posterior.
Wie funktioniert der Single-Heel-Rise-Test?
Stell dich mit leichter Fingerstütze an einer Wand auf das betroffene Bein und drücke dich auf den Vorfuß, hebe also die Ferse vom Boden. Achte darauf, ob du die volle Höhe schaffst und ob sich die Ferse dabei nach innen dreht. Bei intakter Sehne hebt die Ferse hoch und kippt sauber nach innen. Gelingt der einbeinige Zehenstand schwach, gar nicht oder schmerzhaft und bleibt die Ferse nach außen gekippt, ist das ein starkes Warnsignal für die Stufe 2.
Wie behandelt man eine Tibialis-posterior-Tendinopathie?
In den frühen Stufen konservativ. Erste Wahl ist dosiertes Krafttraining der Sehne, vor allem Inversion gegen Widerstand und Wadenheber mit Betonung der inneren Fußkante, kombiniert mit Einlagen oder Orthesen, die das innere Längsgewölbe stützen. Beides zusammen wirkt besser als Einlagen allein. In der frühen Tendinopathie verschwinden die Beschwerden so in rund 87 Prozent der Fälle ohne Operation.
Helfen Einlagen bei der Tibialis posterior?
Ja, in den frühen Stufen. Eine systematische Übersicht fand, dass Einlagen den Schmerz reduzieren können und dass Einlagen mit individueller, innen anmodellierter Längsgewölbe-Stütze flachen Standard-Einlagen überlegen sind. Am besten wirken sie zusammen mit einem Übungsprogramm. Wird der Fuß instabiler, kommen festere Orthesen bis hin zu einer knöchelübergreifenden Schiene infrage.
Wie lange dauert die Heilung und darf ich weiterlaufen?
Rechne in Monaten, nicht Wochen. Lasttraining gilt mindestens drei Monate als Hauptbehandlung, bevor Zusätze wie Stoßwelle oder Spritzen sinnvoll werden. Weiterlaufen ist in der frühen Phase oft möglich, aber in reduzierter Dosis unter der Schmerzschwelle (etwa bis 3 von 10), solange der Schmerz am nächsten Morgen nicht schlimmer ist. Gelingt der einbeinige Zehenstand gar nicht mehr oder wirkt die Fehlstellung steif, gehört das ärztlich abgeklärt.
Zieht deine Innenseite beim Laufen?
Lass uns gemeinsam schauen, woher die Überlastung der Tibialis posterior kommt und wie du mit dosierter Last, gezieltem Krafttraining und passender Gewölbe-Stütze schmerzfrei zurückkommst.
Quellen und Referenzen
Challoumas, D., Crosbie, G., O'Neill, S., Pedret, C. & Millar, N. L.
Effectiveness of Exercise Treatments with or without Adjuncts for Common Lower Limb Tendinopathies: A Living Systematic Review and Network Meta-analysis
Netzwerk-Meta-Analyse
Sports Medicine - Open, 9:42 (2023). PMID: 37553459